Abstiegskämpfer Andree Wiedener über das Endspiel von Bremen

»Wir waren mausetot«

Bremen oder Frankfurt? Andree Wiedener kämpfte schon mit beiden Teams gegen den Abstieg. Hier erinnert er sich an Schleifer Magath, »Container-Willi« Reimann und Retter Thomas Schaaf.

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Andree Wiedener, am Samstag steigt das Finale um den Klassenerhalt zwischen Werder und Frankfurt in Bremen. Ein Trumpf für die Hausherren?
In der jetzigen Situation absolut. Die Fans haben gegen den VfB Stuttgart gigantisch angefeuert und stehen grundsätzlich hinter dem Team und dem Trainer. Werder hat zwar sehr wenige Punkte geholt im eigenen Stadion (17, d. Red.), aber das Momentum ist entscheidend.

Letzteres spricht nach drei Siegen in Folge auch für die Eintracht, obwohl das Team die schlechteste Auswärtsmannschaft der Saison ist.
Bei so einem Endspiel zählt nicht, was im Verlauf der Saison passiert ist, sondern einzig und allein der Lauf der letzten Spiele. Nico Kovac hat es nach einigen Anlaufproblemen geschafft, der Mannschaft wieder Freude und Selbstvertrauen zu vermitteln.

Was ist Ihr Gefühl hinsichtlich des Spielverlaufs?
Werder profitiert vom Heimvorteil, aber sie haben den Druck, gewinnen zu müssen, um die Relegation zu vermeiden. Ich gehe davon aus, dass Werder sehr abwartend spielt und nicht zu viel riskiert. Sollte sich abzeichnen, dass Wolfsburg den VfB Stuttgart schlägt, wird Werder bereit sein, ein höheres Risiko einzugehen.

Sie standen als Spieler mit beiden Vereinen im Abstiegskampf. Wie haben Sie sich auf solche Endspiele vorbereitet?
Ich hatte in meiner Karriere ein vergleichbares Spiel im Abstiegskampf der Saison 1998/99, auch wenn die Gesamtsituation eine andere war. Das war das Nachholspiel mit Werder gegen Schalke vor dem 32. Spieltag. Wir hatten zuvor vier Begegnungen in Folge verloren und mussten unbedingt gewinnen. Auf besondere Art habe ich mich aber nicht vorbereitet, um mich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.

Aber konnten Sie sich von dem Druck abgrenzen?
Das funktioniert natürlich nicht, aber ich habe versucht, den Druck positiv zu nutzen und alles aufzusaugen, was einen pushen kann. 1999 in Bremen fuhren die Taxi-Fahrer mit dem Slogan »Wir sind Werder« durch die Stadt. Die ganze Stadt war grün weiß und war bereit alles zu geben, damit wir am Ende den Klassenerhalt schaffen können. Das hat unglaubliche Energie freigesetzt.

Sie galten als typischer Arbeiter und konstante Größe auf dem Feld. Sind Spielertypen wie Sie besonders für den Abstiegskampf geeignet, weil sie sich weniger aus der Ruhe bringen lassen?
Für einen Spieler wie mich war es sicherlich einfacher, vom Trainer und Publikum honoriert zu werden, weil von mir keine Zauberei erwartet wurde. So ist es natürlich leichter, sich auf seine Stärken zu konzentrieren.