1860 Münchens Julian Weigl im Interview

»Pierre Emil Hojbjerg ist ein Tier«

Hatten Sie denn schon mal Probleme, sich auf dem Platz zu behaupten? 
Als ich mit der Zweiten von ’60 gegen die Zweite von Bayern gespielt habe, hat es mir Pierre Emil Hojbjerg unheimlich schwer gemacht. Der hat unmenschlich viel Qualität, ich hatte wirklich zu kämpfen. Ich war so damit beschäftigt, ihn nicht ins Spiel kommen zu lassen, dass ich meine Stärken kaum entfalten konnte. Der ist ein Tier, eine echte Kante. Da bin ich natürlich mal weggeflogen im Zweikampf. 

…und so ein Tier wollen Sie auch werden?
Nein. Ich will stabiler werden, aber kein Mordstier. Dann wäre ich nicht mehr so beweglich. (lacht)

Sie spielen seit 2010 bei den Löwen, wären Sie nicht lieber für Bayern aufgelaufen?
Mein Vater ist ’60-Fan. Ich bin als Löwe aufgezogen worden. Mir hat es bei Bayern auch nicht so gefallen. Als ich zu ‘60 kam und den Vergleich hatte, war bei den Löwen alles familiärer: Ich wurde besser aufgenommen und gleich mit der Mannschaft bekanntgemacht. Bei Bayern war alles ein bisschen oberflächlicher und das war dann ausschlaggebend für mich zu sagen: »Ich gehe zu 1860.«

Und was denken Sie, wie lange Sie noch zum Training in die Grünwalder Straße fahren?
Mein Ziel ist es auf alle Fälle, irgendwann erste Liga zu spielen, am liebsten mit 1860. Dass wir im Moment nicht in der Position sind, über den Aufstieg zu sprechen, das weiß jeder. Wir wollen jetzt erstmal da unten rauskommen. Ich komme zu Einsatzzeiten, der Verein baut auf mich und ich kann mich weiterentwickeln. Wenn ich Namen lese wie Tottenham, ist das natürlich cool. Ich will aber erstmal hierbleiben, auch weil ich ein familienbezogener Mensch bin. Ich genieße es, in einer Stunde zu Hause zu sein. 

Hilft Ihnen das mit dem Druck umzugehen?
Zu Hause habe ich meinen Ruhepol: meine Großeltern, meine Eltern und meine Schwester. Da komme ich raus und bin weg aus München, wo es oft nur um Fußball geht. Mein Vater ist übrigens auch fußballverrückt und wenn ich zu Hause bin, schauen wir uns oft meinen Heimatverein an. Ich finde es schön, dort die ganzen ehemaligen Mitspieler wieder zu treffen, die kicken jetzt halt zum Spaß und trinken danach ein Bierchen. 

Bei der Affäre um die „Partylöwen“ ging es auch darum, dass Sie ein paar Bierchen getrunken hatten und gleichzeitig jüngster Kapitän der Vereinsgeschichte 1860s waren… 
Das war natürlich keine einfache Situation. Trotzdem habe ich versucht, es bestmöglich zu machen. Es waren auch nur zwei Spiele. Jetzt ist es so wie es ist, und ich bin nicht übermäßig traurig, sondern sehe es als eine Erfahrung, die ich mitnehmen kann.