1. Norddeutsche Flüchtlingsmeisterschaft

»Das war wahre Freude«

Bei der SG Aumund-Vegesack in Bremen sorgt ein Team aus Flüchtlingen für Furore: Wir sprachen mit Holger Franz, Leiter des Projektes »Fußball verbindet«.

imago images

Holger Franz, Anfang Oktober haben Sie mit dem Team die 1. Offene Norddeutsche Fußballmeisterschaft für Flüchtlingsinitiativen gewonnen. Wie kam dieses Event zustande?
Aus Hamburg, Bremen und Niedersachen haben insgesamt zwölf Flüchtlingsprojekte an dem Turnier teilgenommen. Organisiert wurde das ganze vom 1. FC Seevetal und der Bürgerstiftung Blumenthal. Als Vorsitzender des kleinsten Fußballkreises Deutschland hier in Bremen-Nord, habe ich die Aktion von Verbandsseite aus unterstützt. Über zwei Tage haben die Teams einen super Fußball gezeigt – das konnte zeitweise schon als Bezirksliganiveau durchgehen. Daran sieht man, dass in diesen Projekten, die ja mittlerweile deutschlandweit laufen, fachlich gutes Training angeboten wird.

Wie war der Turnierverlauf Ihrer Mannschaft?
Die Jungs sind voller Euphorie in das Turnier gestartet, mit 15 Spielern ging es am ersten Tag in der Gruppenphase los. Bis auf eine unglückliche Niederlage blieben wir dort ungeschlagen und qualifizierten uns für das Halbfinale am Sonntag. Nach einem 3:0-Sieg standen wir im Finale gegen den TV Bremen-Walle 1875. Die haben uns am Anfang ganz schön zugesetzt, wir standen aber hinten sicher und haben in der Verlängerung das Ruder rumgerissen. Das Runde wollte aber einfach nicht ins Eckige, sodass die Entscheidung im Neunmeterschießen fiel. Dort haben wir uns durchgesetzt und den Pott das erste Mal geholt. Die funkelnden Augen der Flüchtlinge, als der Pokal überreicht wurde – das war wahre Freude!

Im Sommer 2015 haben Sie das Projekt »Fußball verbindet« ins Leben gerufen, was steckt da genau hinter?
Im Zuge unserer Partnerschaft mit dem SV Werder Bremen war ich auf einer Fortbildung zum Thema »Flüchtlingsintegration«. Dort wurden Überlegungen angestellt, wie man die vielen Flüchtlinge durch die Aufnahme in Sportvereine integrieren kann. Bei uns im Verein habe ich dann gemeinsam mit Sabri Mrad, dem ehemaligen Coach der U23, jeden Freitag um 16 Uhr ein offenes Training für alle Flüchtlinge auf dem Kunstrasen angeboten: und das ging sofort durch die Decke. Beim zweiten Training kamen bereits 28 interessierte Spieler zu uns. Seitdem die Balkanroute im März geschlossen wurde, herrscht etwas weniger Betrieb. Aber konstante 16 Spieler bringen wir freitags immer zum Kicken auf den Platz.

Wie finanzieren Sie das Projekt? Woher bekommen Sie zum Beispiel Ausrüstung und Material?
Durch die Flüchtlingsinitiative »1:0 für ein Willkommen« vom DFB konnten wir unserem Projekt einen super Start garantieren, der Landessportbund Bremen hat uns mit 500€ unterstützt und bei den Ausschreibungen der Sparkasse und Volksbank in Bremen hatten wir das Glück auch etwas vom Kuchen abzubekommen. Für Sportklamotten und Schuhe haben wir innerhalb des Vereins viel sammeln können und auch von außerhalb gab es private Spenden. Aber es werden natürlich immer Sachen benötigt: Vor allem jetzt wenn es kalt wird und die vielen neuen Gesichter bei uns noch keine passende Ausrüstung haben.