7 Beiträge / 0 neu Die Scheißthese Forum
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Die Leiden eines Bayern-Fans oder: Warum Bayern Reus Geld geben sollte
trommeda Offline
Dabei seit: 07.11.2014
6. Juni 2015, Berlin.
Nach dem Champions-League-Finale gegen Real Madrid tritt Pep Guardiola,
Trainer des FC Bayern München, mit einem breiten Grinsen vor die Kamera:
„Wir haben heute zwar 5:0 verloren – aber unsere Spielweise, die war
perfekt. Ich bin sehr zufrieden.“ Matthias Sammer steht daneben und nickt
zustimmend.
Ich bin nun seit 24 Jahren Bayern-Fan. Schon bei meiner Geburt im schönen
Schwabenland, habe ich anstatt zu schreien, die Vereinshymne „Stern des
Südens“ gegrölt. Mein erstes Wort war nicht „Mama“, sondern
„Klinsmann“. Wenn der VFB Stuttgart gegen Bayern gewonnen hat (Ja, das
war damals noch möglich), habe ich mich nicht auf die Straße getraut. Der
FC Bayern ist mein Verein. Nicht ich habe ihn gewählt, nein, er hat mich
gewählt. So wie ich nur eine Mutter habe, die ich lieben kann, so habe ich
auch nur einen Verein, den ich lieben kann. Oder hassen. Aber immer diesen
einen. Das ist alternativlos.
Doch seit ein paar Monaten wird es immer mehr zur Qual, Bayern-Fan zu sein.
Das einzige Gefühl was ich nach Spielen der Bayern kenne: Erleichterung.
Freude gibt es nicht mehr. So wie bei den Torjubeln von Mario Götze.
Sowieso, Götze… Ich ertappe mich, wie ich Bayern-Spiele live und mit
türkischem Kommentar nur noch aus zwei Gründen schaue: Zum einen, um
Türkisch zu lernen und zum anderen, um mich über Götzes Diven-Fußball
aufzuregen. Gewinnen tuen sie ja sowieso. Gegen die Roma aber schon wieder
nicht zweistellig .
Welche Ziele soll dieser Verein, vor allem national, noch haben? Die
Konkurrenz wurde erneut erfolgreich kaputt gekauft. Vier Punkte Vorsprung in
der Liga bereiten dem Trainer ernste Sorgen. Die Verletztenmisere? Sportlich
keine Auswirkung.
Verzweifelt versuchen die Verantwortlichen mit rhetorischen Mitteln nach
neuen Zielen. Für Guardiola sind die Ecken neuerdings das Problem. Sammer
wird im nächsten Interview sagen, dass er auch nach 5 Champions
League-Titeln in Folge nicht zufrieden ist: „Es geht immer noch mehr.“
Ich mache mir im Gegensatz ernste Sorgen. Wer keine echten Ziele mehr hat,
schlafft ab, wird orientierungslos. Wer keine Vorbilder mehr hat, dem fehlt
dir die Orientierung. Deswegen drehen die ganzen Superstars, mit Vorliebe
Schauspieler und Musiker, ja auch hohl. Nur die Besten sterben jung. Oder
werden nach Karriere-Ende wir Lothar Matthäus.
An der Spitze zu stehen, ist immer Scheiße. Sowie Deutschland (also die
Nation) z.B. aktuell. Da ist keine Sehnsucht, kein Antrieb mehr. Wir haben
alles. Wir sind die Sieger des kapitalistischen Wettstreites. Und darum
unglücklich. Weil wir die Begrenzung und den Verzicht, die Anstrengung und
den sichtbaren Erfolg nicht mehr kennen. Außerdem hassen uns unsere
Nachbarn. Ich glaub ich bleib in der Türkei…
Neulich gab es nur ein Unentschieden gegen Gladbach. Die Nation hat gejubelt.
Nicht-Bayern Fans, weil sie so überrascht waren, wie ein Kleinkind zu dem
der Weihnachtsmann schon zwei Wochen früher kommt und dann auch noch
verspricht, an Weihnachten wieder zu kommen. Bayern-Fans, weil sie mal wieder
eine Gefühlsregung bei sich entdeckt haben.
Oh, wie sehr sehne mich nach Bayern-Niederlagen. Wie sehr lechze ich mich
nach echter Angst, z.B. vor der Europa League oder dem zweiten Platz in der
Meisterschaft, um danach den Triumpf endlich wieder genießen zu können. Wie
sehr wünsche ich mir so Freiburg- (1. Sieg am 10. Spieltag) oder
Stuttgart-Erlebnisse (aus einem 3:0 Rückstand noch ein 3:3 gemacht).
Ja, das sind die first-World Probleme des Fußballs. Darum werden andere
Welten (z.B. die 3. Welt, die in der Bundesliga bei Tabellenplatz zwei
beginnt) auf diese Probleme auch mit fassungslosem Unverständnis, wenn nicht
sogar Hass, reagieren. Aber so ist das nunmal. Da komm ich nicht raus. Denn,
nochmal: Nicht ich habe den FC Bayern gewählt, sondern der FC Bayern hat
mich gewählt. Dennoch möchte ich meinen guten Willen beweisen und ein paar
Vorschläge zur Lösung der aktuellen Misere beisteuern:
- Die Bayern setzen sich neue Ziele: Spielweise > Ergebnis (siehe
Einleitungs-Phantasie).
- Alle Vereine außer Bayern steigen in die 1,5. Bundesliga ab. Die 1. Liga
besteht nur noch aus zwei Vereinen. Bayern 1 und 2. Alonso in Bayern 1 sowie
Schweinsteiger in Bayern 2 haben jedes Spiel 200 Ballkontakte. Jede Woche
messen sich die beiden, das Spiel wird in alle Länder der Welt (außer
Nord-Korea) live (Marktanteil: 50%) übertragen. Mit den TV-Einnahmen wird
„die Entwicklungshilfe 1,5. Bundesliga“ unterstützt.
- Bayern löst sich selbst auf und überführt sein gesamtes Kapital in die
Uli Hoeneß Resozialisierungs-Stiftung.
- Anstatt Marco Reus zu kaufen, zahlt Bayern ihm jährlich 10 Millionen, dass
er bei Dortmund bleibt. Als „Geschenk“ bekommt Dortmund außerdem Götze
zurück.
rumpler Offline
Dabei seit: 10.12.2009

Falls das witzig sein sollte hat es nicht funktioniert.

Hrub Horstesch Offline
Dabei seit: 27.05.2013

Interessant,
auch die Fans fangen an, nur noch Erleichterung nach einem Bayern-Sieg zu empfinden? Die armen! Glaubst Du wirklich, dass Bayern auf Jahre hinaus den Rest der Liga abgehängt hat? Ich gehe davon aus, dass der deutsche Fußballmeister der nächsten 5 Jahre nicht jedesmal Bayern München heißen wird. Genieße das Hochgefühl des Triumphes, der der Tatsache entspringt, dass dieser Verein Dich als seinen Fan erkoren hat. Das passiert nicht jedem. Und glaube mir, der Sammer hat Recht. Erfolg im Fußball hat mit Spaß am schönen Spiel manchmal so viel zu tun wie der Alltag einer deutschen Polizeibehörde mit einem spannenden Krimi.

ramses Offline
Dabei seit: 11.03.2015

Genau DAS ist das Problem der Buyern!!!!!!!! Sie nimmt keiner mehr ernst - wie sollte man auch? Und mit solchen FANS?????? Ja mei................

DerKumpel Offline
Dabei seit: 21.04.2015

Sehr interessanter Artkikel! Danke erstmal dafür!

Und du (ich hoffe ich darf dich dutzen..ach ist ja ein Forum..dann ist das ja fast Pflicht) hast diesen Kommentar vor knapp einem halben Jahr geschrieben. Das bedeutet, dass trotz dieser massigen Veränderungen (und ja..in der Bundesliga ändert sich mehr als in anderen Top-Ligen Europas) eines geblieben ist: Bayern hat keine Ziele.

Wäre es nicht möglich, das Bayern der Rauswurf von Mull nicht gar 'provoziert' haben könnte um sich quasi selbst zu beweisen, dass sie immer noch die Nummer 1 bleiben ohne einer solchen krassen Stütze? (Eine provokante Frage..weiß ich..brauch man mir nicht zu sagen)

Hinweis noch:

Wer echte Emotionen erleben möchte, der gehe doch einfach mal bitte zu seinem Amateurverein um die Ecke und schaut dort mal (wieder) in den "echten" Fussball rein..und besucht meinen Blog: https://derkumpel.wordpress.com/

muellerchen Offline
Dabei seit: 23.09.2015

#6: musste schmunzeln

glubberer2019 Offline
Dabei seit: 04.05.2009

Bayern"fans"? Nee, das sind keine Fans!

Die wissen doch gar nicht, was ein Fan ist.