Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Das Herz schlägt wieder

Während das Ex-Führungstrio des 1. FC Kaiserslautern vor Gericht um Freispruch kämpft, versucht der Verein den Altlasten sportlich zu begegnen. In der zweiten Liga. Die neuen Verantwortlichen sollten daher davor gefeit, die Ansprüche wieder allzu schnell in den Himmel zu schrauben. Imago Wer glaubt schon ernsthaft daran, dass sich diese märchenhafte Geschichte wiederholen wird? Und überhaupt – wer will das schon? Schließlich war das Ende der Geschichte ein grausames, was zu diesem Zeitpunkt freilich noch niemand wissen konnte. Für die meisten war das Jahr 1998 schlicht und ergreifend ein Ding der Unmöglichkeit, darüber hinaus ein Grund für ausgelassene Festtage und der Beweis, dass der Mythos noch lebt. Als der 1. FC Kaiserslautern 1996 in die zweite Liga abstieg, postwendend die Rückkehr ins Oberhaus schaffte und sogar die Meisterschale holte, da war noch alles in Ordnung. Da war noch Aufbruchsstimmung in der Pfalz. Heute könnte man behaupten, dass der neuerliche Abstieg 2006 schon acht Jahre früher mit eben dieser Meistersaison begann.

Verdeckte Lohnzahlungen

Die Führungsclique um den damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich hatte ehrgeizige Pläne mit einer Mannschaft, die mit dem grandiosen Coup von 1998 bereits an ihre Grenzen gestoßen war. Um das Gesicht der Lauterer zu verändern, wurden in den Folgejahren Spieler wie Youri Djorkaeff, Lincoln, Jeff Strasser, Taribo West und Nenad Bjelica verpflichtet. Auf Augenhöhe mit den Großen sollte der FCK fortan spielen. Dazu griffen die Verantwortlichen tief in die Taschen – und in die Trickkiste. Stichwort Steuerhinterziehung. Der Schwindel flog auf, Wieschemann und Co. wurden zur Rechenschaft gezogen. Die Anklage hatte sich auf die These gestützt, dass Überweisungen an Lauterer Ex-Profis als verdeckte Lohnzahlungen dienten Im Mittelpunkt des Verfahrens stand die Frage, ob dabei Verträge über die Persönlichkeitsrechte der Spieler der Deutschen Fußball Liga (DFL) absichtlich vorenthalten wurden. Der FCK musste im Jahr 2003 insgesamt 8,9 Millionen Euro Steuern nachzahlen und stand kurz vor der Pleite.

Bittere Lektionen

Der Retter in der Not hieß Rene C. Jäggi, der den Klub dank eines harten Sparprogramms vor dem drohenden Lizenzentzug bewahrte. Nicht unumstritten waren seine Maßnahmen, zumal der sportliche Erfolg ausblieb. Auch bei der Trainerwahl bewies der Schweizer kein glückliches Händchen. Doch spätestens mit dem Amtsantritt von Wolfgang Wolf war der fällige Wechsel vollzogen. Zwar konnte dieser den Abstieg nicht mehr verhindern. Sein Rezept selbst in der Schlussphase der Vorsaison auf junge Spieler zu setzten, erwies sich als das identitätsstiftende Moment, auf das der Verein und seine Fans lange gewartet hatten. Nach dem Ausscheiden Jäggis übernahm Erwin Göbel das Kommando. „Das Herz der Pfalz“, wie die neue Imagekampagne heißt, ist seitdem wieder am rechten Flecken und schlägt mit neuer Inbrunst. Am Wochenende strömten 40000 Zuschauer auf den Betzenberg, um eine unglaubliche Aufholjagd ihrer Roten Teufel gegen den Rivalen aus Koblenz zu erleben. Die wahre Stärke der Mannschaft ist jedoch zurzeit schwer einzuschätzen. Doch warum gleich wieder alles übers Knie brechen wollen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Diese Lektion haben die Pfälzer bereits bitter am eigenen Leib erfahren.

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