Zuschauerschwund bei der Copa America

Fragwürdige Organisation

Und das erklärt wohl auch, warum selbst beim ersten Spiel der Gastgeber und selbst im vergleichsweise wohlhabenden Sao Paulo ein Drittel der Plätze des Stadions Morumi leer blieb. Gerade einmal 69 Prozent betrug die Auslastung beim Eröffnungsspiel. Hinzu kommt: Für die Spiele der Selecao gab es zumindest online in den letzten Tagen keine Tickets mehr zu kaufen. Entweder wurden die Tickets von interessierter Seite zurückgehalten, um sie über andere Kanäle zu verkaufen. Oder es gibt innerhalb der Organisation gravierende Vertriebsmängel.

 

Selbst die billigste Karte für ein Vorrundenspiel der Copa America ist mit 190 Reais (umgerechnet 43 Euro) für die meisten Brasilianer unbezahlbar. Das Land zeigt zwar erste Indizien einer wirtschaftlichen Erholung, doch von einem Aufschwung ist Brasilien noch weit entfernt. Viele Fans gehen deswegen in die Kneipe und schauen sich die Spiele mit Nachbarn oder Freunden beim Bier an. Das ist deutlich billiger.

 

Der Copa fehlt es an Glanz und Glamour

Zudem liegt ein Schatten über dieser Copa. Superstar Neymar muss sich bislang nicht bewiesenen Vergewaltigungsvorwürfen erwehren und fehlt seiner Mannschaft offiziell wegen einer Fußverletzung. Ohne ihn mangelt es der Copa America an Glamour und Glanz. Lionel Messi und seine Argentinier scheinen wieder einmal mehr mit sich selbst beschäftigt. Kolumbiens James und Uruguays Luis Suarez entfalten nicht die Strahlkraft, die Neymar in Brasilien zu bieten hat.

 

Und noch ein weiterer Grund erklärt die Zuschauerabstinenz zu Beginn der Copa: Geografisch ist die Auswahl der Spielorte nur schwer nachvollziehbar. Wenn sich die Andennationen Venezuela und Peru ausgerechnet im Süden Brasiliens treffen, dann zwingt das interessierte Fans zu der weitest möglichen Anreise. Zumindest die Vorrunde könnte für die Copa America also ein kleines Desaster werden.