Zuschauerschwund bei der Copa America

Leere Stadien, volle Kneipen

Bei der Copa America in Brasilien bleiben zum Auftakt die Stadien leer. Dafür sind die Bars in Rio oder Sao Paulo voll. Für die Organisatoren deutet sich ein Desaster an.

Tobias Käufer

Eine gute halbe Stunde vor dem Anpfiff der Partie zwischen Paraguay und Katar ist es einsam im Maracana in Rio de Janeiro. Die riesige Arena, für die WM 2014 umgebaut und renoviert, ist eine Nummer zu groß für ein Spiel, das niemand sehen will. Vielleicht 2000 Zuschauer haben sich zu diesem Zeitpunkt in das traditionsreiche Stadion verirrt. Vor dem Maracana dösen Polizeieinheiten in der Sonne. Es gibt keine Zuschauermassen zu überwachen. Auch die weiträumige Absperrung rund um die Arena ist eigentlich sinnlos. Dafür kommen drei Brasilianer als Scheichs verkleidet. Mit Bierdose in der Hand. Sie wollen Katar unterstützen.

 

Bis zum Anpfiff soll es nicht viel besser werden. Am Ende sind es vielleicht 8000 Fans, die sich im Stadion befinden. Als gegen Ende der Partie die offizielle Zuschauerzahl verkündet wird, gibt es Gelächter. Beim 2:2 sollen 19.162 zahlende Zuschauer im Maracana sein, behauptet der Stadionsprecher. Bereits am Vortag waren bei der torlosen Partie Venezuela gegen Peru offiziell nur 13.370 Fans in Porto Alegre. Uruguays 4:0 (3:0) gegen Ecuador wollten nur 13.611 Zuschauer am Abend in Belo Horizonte sehen. Die Zuschauerabstinenz wirft Fragen auf.

 

Kneipen platzen aus allen Nähten

Denn ein paar Kilometer weiter südlich sieht es an diesem Abend ganz anders aus. Das Café und Restaurant »Dantes« an der Copacabana platzt aus allen Nähten. Es ist wie so viele andere Kneipen auch zum Treffpunkt für Fußballfans geworden. Zum Spiel zwischen Venezuela und Peru sind Dutzende Peruaner gekommen und verwandeln die Kneipe in eine Fußballbar. Am Abend zuvor haben die Kolumbianer das »Dantes« für sich entdeckt. Das Häuflein aufrechter Argentinier ist gegen die Überzahl euphorisierter gelber Hemden chancenlos. Auch rund um die Arena des Eröffnungsspiels in Sao Paulo waren die Bars voll besetzt.

 

Foto: Tobias Käufer

Es sind wohl die teuren Eintrittskarten, die viele Zuschauer abschrecken. Zudem funktioniert auch die offizielle Internetseite der Copa America, auf der es die Tickets online zu kaufen gibt, nicht richtig. Oft werden im Ticket-Sektor nur kryptische Zeichen dargestellt. Das Portal »Globoesporte« hat die Durchschnittspreise für verkaufte Tickets aufgelistet. Für die Partie Brasilien gegen Bolivien zahlten die Zuschauer im Schnitt 485,01 Reais pro verkaufter Karte. Das sind umgerechnet rund 110 Euro. Oder anders ausgedrückt: Fantasiepreise für den Durchschnittsbrasilianer.