Zur Zerstückelung des Spieltags

Den TV-Anstalten ausgeliefert

Der Chefredakteur der »Sport Bild« Alfred Draxler bejubelte gleich die neuen Ansetzungen, als würden die Fans in verlockende, faszinierende Welten geführt: »Wir können uns auf diese Weise schon einmal daran gewöhnen, dass in den nächsten Jahren auch bei uns – ähnlich wie in England - der Spieltag mehr und mehr zerstückelt wird. Die Bundesliga-Show braucht Neues - und liefert.«

So verlockend sind diese Welten jedoch nicht: In England gibt es pro Spieltag mitunter sechs verschiedene Anstoßzeiten, der Fußball hat sich den Fernsehsendern ausgeliefert. Faninitiativen wie in Portsmouth haben kürzlich Plakatwände gemietet mit der Aufschrift: »Lasst eure Kinder nicht in dem Glauben aufwachsen, Fußball sei eine TV-Show.«

Die Gästefans sind die Verlierer
   
In Spanien wird zu neun verschiedenen Zeitpunkten angepfiffen. Dies führt allerdings nicht dazu, dass die Fans dort »binge-watching« betreiben und jedes Spiel aufsaugen. Viel mehr hat die Masse der Anstoßzeiten die Zuschauer sediert, in den Kneipen laufen die Spiele beiläufig wie das Radio. In Spanien gibt es zudem keine ausgeprägte Kultur des Auswärtsfahrens – anders als in Deutschland.

Hierzulande sind die Gästefans die großen Verlierer der Planungen. Schalker mussten schon am Sonntagabend zum Auswärtsspiel nach Frankfurt, während die Leverkusener, bei um einiges kürzerer Anreise nach Mainz, bereits nachmittags spielten. So protestierten die Fankurven am Wochenende gegen die Pläne des Verbandes. »600 Kilometer auf der Bahn? Kann man besser samstags fahr'n“, schrieben Kölner auf ein großes Transparent.

Der Verband verprellt nun genau jene Masse, die er in seinen Kampagnen benutzt. In all den Imagefilmen zeigt die DFL vollbesetzte Fankurven, um für ihr »Produkt« zu werben. Nun riskiert sie im aussichtslosen Hamsterradrennen gegen England, es selbst zu beschädigen. 

DFL beschädigt ihr eigenes »Produkt«

Wer glaubt, mit Montagsspielen bei den TV-Einnahmen die Lücke zu England zu schließen, der meint auch, genauso reich wie Bill Gates zu werden, wenn er die gleiche Brille trägt. Ein Mehr an Fußball führt nicht zwangsläufig zu einem Mehr an Zuschauern, nicht in Deutschland und erst recht nicht in den von der DFL anvisierten Ländern wie Japan oder den USA. Die Bundesliga wird nicht spannender, sondern austauschbarer.

Gladbachs Lars Stindl fand im Oktober dafür die passenden Worte in einem Interview mit dem Blog »MitGedacht«: »Fußball ist Samstag, 15.30. So geht es ganz Deutschland. Ich weiß nicht, welcher Stellenwert noch bleibt, wenn wir dieses Alleinstellungsmerkmal weiter kaputtmachen.«