Zur Verabschiedung von Marc Bartra

You’ll Never Walk Alone

Heute verabschiedet der BVB Marc Bartra, der ja längst nicht mehr in Dortmund spielt. Das weckt Erinnerungen an einen der emotionalsten Abschiede eines Borussen überhaupt.

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Bevor der BVB heute Abend gegen den Klub spielt, der mal Austria Salzburg war, verabschiedet der Verein ganz offiziell Marc Bartra. Es ist in jeder Hinsicht eine sehr ungewöhnliche Aktion. Kann sich jemand daran erinnern, dass schon mal ein Verein einen Spieler, der nicht mal 50 Pflichtspiele bestritten hat, zu einem solchen Anlass extra aus einem anderen Land einfliegen ließ?

Andererseits hat Bartra natürlich als Opfer des Anschlags auf die Mannschaft eine besondere Beziehung zum Klub. Und die reine Anzahl der Spiele, die jemand in einem bestimmten Trikot bestritten hat, sagt ja auch nichts über die Wertschätzung aus, die er genießt.

So wurde ein extrem emotionaler Abschied im Westfalenstadion einst einem Spieler zuteil, der gerade fünfzehn Partien mehr für den BVB absolvierte als Bartra, darunter einige nur bedingt ernsthafte Partien im Ligapokal.

Lambert ging, um seine Ehe zu retten

Gemeint ist der Schotte Paul Lambert, der im Sommer 1996 nach Dortmund wechselte und schon vierzehn Monate später in seine Heimat zurückkehrte. In dieser kurzen Zeit hatten die Fans den ebenso bescheidenen wie verlässlichen Mittelfeldspieler in ihr Herz geschlossen und bereiteten ihm einen Gänsehautabschied.

Der fiel auch deswegen so emotional aus, weil Lambert den BVB gar nicht verlassen wollte. Er bat um einen Wechsel, damit er seine Ehe retten konnte. Seine Frau Monica hatte sich in Deutschland nie richtig wohl gefühlt, litt unter Heimweh und war mit Pauls kleinem Sohn zurück nach Glasgow gegangen.

Und so bestritt Lambert am 5. November 1997 sein 64. und letztes Pflichtspiel für den BVB. Die Bühne war die Champions League, der Gegner hieß AC Parma (mit Gigi Buffon im Tor). Als die Borussia in der 75. Minute beim Stand von 1:0 einen Elfmeter bekam, skandierte das Publikum Lamberts Namen. Doch Andreas Möller neigte offenkundig nicht zu Sentimentalitäten und übernahm die Ausführung lieber selbst.