Zur Trainerkrise in der Bundesliga

Was moderne Trainer mitbringen müssen

Das erste Tor von Borussia Dortmund am Sonntag in Freiburg war ein Kunstwerk und eine Folge solcher Arbeit, wie auch der souverän herausgespielte 5:2-Sieg von Hoffenheim in Schalke. Solche Leistungen haben natürlich auch mit der Klasse der Spieler zu tun, aber die Konzepte der Trainer veredeln diese noch, und das ist es, was Fußballprofis heute wollen. Es spricht sich schnell herum, wenn Trainer dazu nicht in der Lage sind, weil sie nicht alle Facetten des Spiels beherrschen.

Niko Kovac ist es in seiner ersten Saison beim FC Bayern nach vielen Krisen nun gelungen, die Kräfte seiner Mannschaft auf die verbliebenen Ziele hin zu bündeln. Das ist eine beachtliche Leistung, dennoch bleiben latente Zweifel an ihm, weil die meisten Spieler die unfassbare Komplexität im Verständnis von Fußball von Pep Guardiola erlebt haben. Und spätestens in den Spielen gegen den FC Liverpool, wo es einen perfekten Plan gebraucht hätte, war der nicht wirklich zu erkennen - oder ein eher unterkomplexer.

Reformation beim Trainerlehrgang

Der neue Lehrgang für Fußballlehrer ab Mai wird zum ersten Mal seit elf Jahren ein reformierter sein. Er soll mehr Praxisanteile beinhalten, flexibler werden, digitalisierter und nicht zuletzt stärker moderne Spielsysteme lehren. Notwendig ist das, denn hier gibt es deutliche Mängel selbst in der Bundesliga.

Der Konterfußball ist so wenig tot wie der Kombinationsfußball, aber gute Mannschaften müssen beides beherrschen - und beides beim Gegner verhindern können. Dadurch sind die Ansprüche an Trainer inzwischen ins Unermessliche gestiegen. Sie sollen schließlich nicht nur Konter- und Kombinationsfußball lehren können, sondern auch den richtigen Umgang mit ihren Spielern finden sowie das Team ums Team managen. Und toll nach außen kommunizieren müssen sie auch noch.

Genie oder Spezialist?

Nur Genies sind zu alledem in gleichem Maße in der Lage, und vermutlich wird die Entwicklung dahin gehen, die Aufgaben weiter aufzuteilen. Früher waren Bundesligatrainer zugleich auch Fitnesstrainer, das ist heute kaum noch der Fall. Vielleicht brauchen also jene Trainer, denen es an Kenntnissen fehlt, wie man Kombinationsfußball einübt, Spezialisten an ihrer Seite, die das beherrschen. Damit könnten die Cheftrainer ihre kommunikativen Stärken oder die in der Menschenführung besser ausspielen.

Markus Weinzierl, Domenico Tedesco und etliche ihrer Kollegen werden jetzt gerade wohl als gescheitert wahrgenommen. Dabei bringen sie natürlich weiterhin eine enorme Fülle von Wissen und Fähigkeiten mit, die sie erst in die Bundesliga gebracht hatten und noch bestens gebraucht werden können. Allerdings setzt das bei Trainern, aber auch Klubs voraus, dass sie sich weiterentwickeln wollen. Klingt unsexy, aber Fortbildung wäre nötig.