Zur Rolle des Kaisers im DFB-Skandal

Franz, Rot, Gold

Franz Beckenbauer gelang alles. Selbst die WM 2006 schien ihm zuzufallen. Dass das nicht so war, kränkt seine Bewunderer: Kaufen hätten sie das Turnier auch selbst können.

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»Jeder sollte mal im Hubschrauber über Deutschland fliegen«, sprach Franz Beckenbauer 2006, während der WM, die er hierher geholt hatte. »Dann sähen alle, wie schön unser Land ist.«

Er rief diesen Satz aus dem Luftraum hinunter in eine Republik, deren Arbeitslosenzahl, im Jahre eins nach der Einführung von Hartz IV, gerade auf 5,39 Millionen gestiegen war. Dreizehn Prozent der Erwerbspersonen waren also im Begriff, in die Armut abzusinken. Ein vermutlich noch größerer Anteil begann, in Angst zu leben, dem gleichen Schicksal anheim zu fallen. Ja gut, äh: Wenn sie keine Schuhe haben, sollen sie doch Hubschrauber fliegen.

Wie ein Stellvertreter des Fußballgottes auf Erden

Es ist ein erstaunliches Phänomen der Boulevardkultur, dass viele Deutsche, die doch angeblich vom Neid zerfressen sind, diesem Beckenbauer sein Marie-Antoinette-haftes Dahergerede so lange nachgesehen, ja ihn sogar zu ihrem Kaiser erhoben haben. Und das, obwohl sie doch andere Helden – man befrage dazu nur mal Boris Becker – nach Leibeskräften marginalisiert haben.

Franz Beckenbauer war offenbar der eine Auserkorene, dem sie rückhaltlos zu gönnen bereit waren, was sie sich selbst und allen anderen versagten: dass das Leben leicht sein kann, wenn man nur Glück hat. Er selbst war klug genug, sich so volksnah zu geben, dass der Eindruck entstand, er teile dieses Glück. Wie ein Stellvertreter des Fußballgottes auf Erden segnete er die Gläubigen – etwa im »Aktuellen Sportstudio«, wo er einen Ball, der auf einem vollen Weißbierglas ruhte, ins Loch der Torwand schoss und dann mit der Busladung von Bayern-Fans jubelte, als wäre er immer noch einer von ihnen.

Der Franzl aus Giesing, das Wunderkind aus ihrer Mitte, das Bescheidenheit und Hybris in eine ungeahnte Balance zu bringen vermochte. »Ich bin ja gelernter Versicherungskaufmann«, sagte er einmal, »Stellen Sie sich vor, ich wäre heute noch jeden Tag in der Versicherung – gut, die Allianz wäre dann mit Abstand das größte Unternehmen der Welt.«