Zur Pressekonferenz von Jogi Löw

Eines hat Löw (noch immer) nicht verstanden

Eine Binse, natürlich. Aber Worte ersetzen nunmal keine Taten. Schon gar nicht im Fußball. Löw muss beweisen, dass er in der Arbeit mit der Mannschaft wieder dorthin gelangt, wo er schon einmal war - in die Weltspitze. Ob ihm das tatsächlich gelingt, ist eine spannende Frage. Deren Antwort allerdings ganz sicher nicht aus dieser Pressekonferenz herauszulesen war.



Sehr wohl herauszulesen war allerdings, dass auch Löw eine Sache nach wie vor nicht verstanden hat: die Rassismus-Vorwürfe gegen den DFB. Löw sagte in Richtung Mesut Özil: »Mit seinem Vorwurf über Rassismus hat Mesut ganz einfach auch überzogen. Es gab nie in der Mannschaft auch nur einen Ansatz von Rassismus, keinen Ansatz von rassistischen Äußerungen.«



Geschenkt und nicht verstanden

Das Missverständnis, dem Löw aufsitzt, dem leider noch zu viele aufsitzen, liegt im Glauben begründet, Rassismus spiegele sich in verbaler oder tatsächlicher Gewalt wieder. Und nicht auch schon in dem Umstand, dass Spieler nur aufgrund ihrer Herkunft oder Biographie anders behandelt werden, so wie es bei Mesut Özil unwiderlegbar der Fall war und immer noch ist.



Dass Oliver Bierhoff im Anschluss noch Pläne über die Nachwuchs-Akademie, Marketing-Maßnahmen und Fan-Nähe vom Stapel ließ, die in der Gesamtheit den Eindruck eines vor allem hochgradig beleidigten Nationalmannschafts-Manager erweckten? Geschenkt. Man sollte der sportlichen Führung um Löw und Bierhoff genau das eingestehen, wozu sich die übergeordneten Gremien des Verbandes entschlossen haben: eine Chance auf Korrektur.



Und bis diese dann - irgendwann - Wirkung zeigt, immer wieder überprüfen, ob der Rassismus-Vorwurf inzwischen verstanden wurde. Wäre doch schön, wenn auch diese Soap-Opera ein Happy-End erfährt.