Zur Integrations-Debatte rund um den Fall Özil

»Warum akzeptieren die Leute nicht, dass ich Deutscher bin?«

Wo blieben da die Worte der Solidarität? Falls es sie gab, wurden sie übertönt vom Räsonieren von DFB-Präsident Reinhard Grindel und Manager Oliver Bierhoff über die Frage, ob man Özil wegen der Reaktionen auf die Affäre Erdogan nicht besser zu Hause gelassen hätte - und vom dröhnenden Schweigen von Bundestrainer Joachim Löw, der nach dem Titelgewinn 2014 noch schwärmte: »Ich glaube, dass wir alle von dieser Mannschaft lernen können. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht seine Herkunft.« Auch von der Mannschaft war übrigens zu den Angriffen auf Özil nicht viel zu hören.

»Ich werde behandelt, als wäre ich ›anders‹« - dieses Gefühl Özils teilen viele Menschen in diesem Land. Anders als Lothar Matthäus, der Özil das Deutschsein abspricht und folgenlos Putin hofiert. Anders als Karl-Heinz Rummenigge, der seine Geschäfte mit dem Sklavenstaat Katar folgenlos für unpolitisch erklärt.

»Warum akzeptieren die Leute nicht, dass ich Deutscher bin?«

Und anders selbstverständlich als Krim-Annektions-Versteher Uli Hoeneß, nach seinem Steuerbetrug juristisch anerkannte moralische Instanz in diesem Land, der Özil wider alle Statistik und besseres Wissen attestiert, seit Jahren »einen Dreck« zu spielen und die Affäre Erdogan als Alibi auszuschlachten.

Özil wurde missbraucht als Integrationsmaskottchen, um die Weltoffenheit des DFB und des ganzen Landes zu symbolisieren. Jetzt schlägt das Pendel mit zerstörerischer Wucht zurück. Es bleibt die Frage, die Özil für sich selbst, aber auch für viele andere stellt: »Obwohl ich Steuern in Deutschland bezahle, Einrichtungen für deutsche Schulen spende und die Weltmeisterschaft 2014 mit Deutschland gewonnen habe, bin ich noch immer nicht in der Gesellschaft akzeptiert. Ich wurde in Deutschland geboren und ausgebildet, also warum akzeptieren die Leute nicht, dass ich Deutscher bin?«