Zur Antwort von Grindel auf den Özil-Rücktritt

Ende September entscheidet sich Grindels Zukunft

Dass selbst Wolfgang Schäuble dem Präsidenten nun Vorwürfe macht, ist bezeichnend. »Ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb man beim DFB zugelassen hat, dass aus einer so unklugen Fotoaktion eine derartige Staatsaffäre gemacht wurde«, sagte der Bundestagspräsident den Zeitungen des Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Irgendein kluger Mensch hätte das alles verhindern können und müssen.« Angesprochen fühlen darf sich: Reinhard Grindel, der lange Zeit mit Schäuble im Bundestag saß.

Grindel zeigt sich in seiner Mitteilung vom Donnerstag zwar einsichtig. »Wir leben unsere Werte. Deshalb haben wir als DFB das Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan kritisch hinterfragt«, schrieb er. »Ich bedauere es sehr, dass dies für rassistische Parolen missbraucht wurde.« Von einem Rücktritt, den viele gefordert hatten, ist aber keine Rede.

Ende September entscheidet sich Grindels Zukunft

Vielmehr stellte der DFB- Präsident gleich ein dreiteiliges Maßnahmenpaket vor. Erstens: Die Integrationsarbeit weiterentwickeln und zu fragen, »wo und wie wir neue Impulse setzen können«. Zweitens: Eine fundierte sportliche Analyse nach dem Vorrunden aus bei der WM. Und drittens: Alles zu geben, um die EM 2024 nach Deutschland zu holen. Spätestens, wenn Ende September ausgerechnet der einzige Mitbewerber Türkei und nicht Deutschland den Zuschlag für das Turnier erhält, wird sich auch der DFB-Präsidentselbst in Frage stellen müssen.

Zunächst aber wird Reinhard Grindel noch genug damit zu tun haben, den Fall Mesut Özil wenigstens halbwegs anständig für sich und den gesamten DFB in den Griff zu bekommen. Falls es dafür nicht schon viel zu spät ist.