Zum Weltbild von Clemens Tönnies

Ein Satz, der für Irritationen sorgt

Es geht an dieser Stelle nicht darum, Clemens Tönnies als Rassist zu überführen oder ihn ins rechte Lager zu stecken. Der Mann ist in Rheda geboren und aufgewachsen. Bis heute geht er einmal in der Woche im Ort zu seinem Stammgriechen. Ein Provinzfürst, der die Welt aus dem Blickwinkel seiner Villa, seines Gartens und aus dem Eckbüro im Schlachthaus kennt, von wo er direkt auf ein Fußballstadion blickt, das seinen Namen trägt. Er hat die Welt bereist und doch hat er sich stets nur in exklusiven Bereichen bewegt. Da kommt man eben manchmal auf schräge Ideen. Und einer wie er muss für die Überzeugung, dass man bestimmte Dinge doch wohl noch sagen darf, nicht Bücher von Thilo Sarrazin lesen. Diese Ansicht bildet er ganz natürlich aus – denn ein Mann seines Formats bekommt gemeinhin kaum Gegenrede.

Die Entschuldigung

Leider auch in Paderborn: Kurz nachdem Tönnies den Satz gesprochen hatte, herrschte kurz Irritation – offenbar versicherten sich Zuhörer, was der jeweilige Sitznachbar davon hielt – dann aber brandete Beifall auf. Heute Morgen hat sich Clemens Tönnies via Twitter für seine Einlassung entschuldigt. Auf dem offiziellen Account »Tönnies Dialog« schrieb er: »C. Tönnies: Ich möchte meine Aussage zum Thema Auswirkungen beim Klimawandel richtigstellen. Ich stehe als Unternehmer für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. Meine Aussagen zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tun mir leid. Das war im Inhalt und Form unangebracht.« Eine angemessene Reaktion, schnell, unkompliziert und wohlwissend, um einem Skandal vorzugreifen, wie ihn Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ausgelöst hatte, als sie 2001 in der TV-Sendung »Friedman« zum Thema AIDS in Afrika feststellte: »Der Neger schnackselt halt gern.«

Es gilt die Unschuldsvermutung, also glauben wir Tönnies, dass er es mit seiner Entschuldigung ernst meint und erkennt, dass er Unsinn geredet hat und selbstverschuldet eine Diskussion anfacht, die die Gesellschaft zunehmend spaltet, indem sie mit Rassenklischees spielt. Tönnies sollte wissen, dass er nicht nur ein Industrieller ist, der in politisch überhitzten Zeiten seine private Meinung kundtut, sondern auch ein prominenter Funktionär im deutschen Fußball. Einem Milieu also, das wie kein anderes für gelebte Integration, für Gleichheit, Vielfalt und Miteinander steht und Wochenende für Wochenende selbst dem tumbsten Fan vor Augen führt, wie elf Jungs völlig unabhängig von der Hautfarbe, Herkunft oder sonstigen Nebensächlichkeiten zu einem Team verschmelzen, füreinander einstehen und Rechte und Pflichten verantwortungsbewusst wahrnehmen.

Oberhaupt eines ganz anderen Grundsatzes

Damit dieses Bild entsteht, ist zumindest ganz am Ende noch nicht einmal mehr Geld als soziales Schmiermittel nötig. Denn das auf dem Rasen Mentalität und Charakter im Zweifel eher Tore schießen als die fette Kohle, sollte selbst Clemens Tönnies verstanden haben. Nicht ohne Grund heißt es im Leitbild des FC Schalke 04, das auf der Jahreshauptversammlung 2012 verabschiedete wurde: »Schalker sind wir überall; manche von Herkunft, aber alle von Herzen. Schalke war immer ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Nationalitäten und soll es immer sein. (...) Wir begegnen uns in der Schalker Vereinsfamilie mit ihren vielfältigen Strukturen respektvoll und auf Augenhöhe. Auch bei kritischen Themen sind wir tolerant gegenüber anderen Meinungen und nehmen Rücksicht auf die Belange der Anderen.«