Zum Tod von Günter Eichberg

Die Posse um Günter Netzer

Später verschwand die Rabattaktion so schnell, wie sie geboren war, auch wieder in den tiefen Schubladen am Schalker Markt. Die »Sansibar« immerhin blieb ein Schalker Vereinslokal und die Plakette, die an der Außenwand angebracht wurde, musste hunderte Male ersetzt werden, weil Touristen sie immer wieder in einer Nacht- und Nebelaktion mitgehen ließen.


Ganz vernarrt war Günter Eichberg damals auch in einen jungen, aufstrebenden, aber noch relativ unbekannten Übungsleiter. Peter Neururer trainierte Alemannia Aachen, als der Sonnenkönig ihn zu sich nach Hause einlud. Über die Gehaltsverhandlungen an diesem Tage meinte Peter Neururer einmal: »Ehe ich überhaupt eine Summe sagen konnte, hatte er schon das Doppelte geboten.«

»Morgen tun wir ihm vom Hof, ne?«

Wie sich erst viele Jahre später herausstellen sollte, hatte der Präsident Neururer sogar eine Mark pro Zuschauer versprochen. Ein fürstliches Zusatzgehalt für den jungen Trainer.
 Günter Eichberg war es auch, der damals für viel Geld Günter Netzer zum FC Schalke 04 holte, den die Presse nur »Telefonmanager« nannte. Warum er den ehemaligen Meisterspieler unbedingt an seiner Seite haben wollte, erzählte Eichberg so: »Netzer kam auch wegen des neuen Stadions, was ich damals angedacht, vorgestellt und skizziert hatte. Also, ich hatte das mal gemalt, zu Ostern, zu Hause. Auf einem Kinderschreibblock hatte ich das neue Stadion aufgezeichnet. Und die haben das dann hinterher auch genau so gebaut.«



Doch als die Sache mit dem Stadion sich immer mehr verzögerte und die Zusammenarbeit mit Netzer nicht so lief, wie gehofft, wollte man ihn wieder entlassen. Leichter gesagt als getan. Wochenlang stritt man sich, wer die Rolle des Buhmanns übernehmen sollte. Bis zu einem denkwürdigen Abend in einem Gasthaus im Sauerland. An einer Pinkelrinne stehend schworen sich Eichberg und Schatzmeister Rüdiger Höffken in die Hand, es am nächsten Tage gemeinsam bei der Telefonkonferenz zu tun. Der herrliche Kommentar des Schatzmeisters in den gekachelten Räumlichkeiten soll wie folgt gelautet haben: »Morgen, Günter, tun wir ihm vom Hof, ne?!«


Echte Typen sterben nie

Im Rückblick sah Eichberg seine königsblaue Zeit übrigens viele Jahre später durchaus positiv. Mit seinem berühmten schelmischen Grinsen sagte er einmal: »Als ich Schalke 1989 übernahm, standen wir auf dem vorletzten Platz der 2. Bundesliga, kurz vor dem Absturz ins Amateurlager. Abgegeben habe ich den Verein auf Platz acht der 1. Bundesliga und – wenn ich mich nicht irre – stehen wir da ungefähr noch heute.«


Warum es dennoch mit ihm und Schalke in die Binsen ging, beschreibt ein Spruch seines Freundes Charly Neumann sehr treffend: »Er kann nicht nein sagen. Wenn er eine Frau wäre, hätte er bestimmt schon 20 Kinder.«

Am Wochenende ist Günter Eichberg gestorben. Sein Leben in Träumen ist zu Ende. Doch wir werden uns auch in vielen Jahren noch von ihm erzählen. Echte Typen sterben nie.