Zum Tod von Günter Eichberg

Er war ein Geschenk des Himmels

Am Wochenende verstarb Günter Eichberg, der einst als »Sonnenkönig« auf dem Präsidentenposten von Schalke 04 thronte. Ein Mann, der noch ein echter Typ war. Gerade auch weil er so seine Macken hatte. Und damit sogar einen wie Peter Neururer sprachlos machte.

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Wir reden über nicht einmal vier Jahre, in denen Günter Eichberg Präsident auf Schalke war – und dennoch könnte man Buch um Buch mit Anekdoten aus dieser Zeit füllen und keine einzige Seite wäre langweilig. Man darf diese Jahre des »Sonnenkönigs« beim FC Schalke 04 nicht glorifizieren – und es gibt genug Menschen, die immer noch mit bösen Worten von dieser Zeit erzählen -, doch eine Sache muss jedem klar sein: Würde es diese unglaublichen Typen nicht geben, wäre unser aller Leben um viele unterhaltsame Momente ärmer.

Denn Günter Eichberg führte ein Leben in Träumen. Noch vor wenigen Tagen soll er seinem alten Freund Heribert Bruchhagen von der Idee vorgeschwärmt haben, bei Arminia Bielefeld einzusteigen. Ein Hirngespinst – aber das war damals vor dreißig Jahren nicht anders, als er aus dem Nichts plötzlich bei den Königsblauen auftauchte. Und seine Geschichte auf Schalke begann im Januar 1989 alles andere als verheißungsvoll – denn Eichberg hatte einen mächtigen, einflussreichen und vor allem schwergewichtigen Gegner. 


»Kein Geld mehr für Waschpulver«

Anfangs, so munkelt man auf Schalke, waren sich der neue Präsident
 Günter Eichberg und der Urvater aller Betreuer, Charly Neumann, nicht ganz grün. Das leicht übergewichtige Schalke-Maskottchen aus Fleisch und Blut soll sogar über eine Abspeck-Kur nachgedacht haben, weil der »Sonnenkönig« – wieselflink auf den Beinen – immer schon zum Jubeln in der Kurve war, als Neumann noch hechelnd die Laufbahn entlang watschelte.

Doch irgendwann hat es Klick gemacht bei den beiden, wie das leider viel zu früh verstorbene S04-Unikum einmal auf einer legendären Schalke-Kassette aus dem Jahre 1991 in seinem unverwechselbaren Slang erzählte: »Als der Präsident Günter Eichberg zu uns kam, war Schalke mausetot. Der Verein hatte kein Geld mehr für Waschpulver. Und dann plötzlich kam der große Guru aus Düsseldorf, wo wir dachten: Meine Güte, was ist das für einer? Mit ’nem Fahrer lässt er sich vorfahren. Von der ›High so sight‹ (sic!) aus Düsseldorf, das wird nie ein Schalker. Ich selbst kann euch eins sagen: Ich hatte die größten Bedenken, Freunde. Heute, nachdem er zwei Jahre bei uns ist, muss ich sagen: Er war ein Geschenk des Himmels!«


Ein Schalker Vereinslokal auf Sylt?

Neben dem Geld hatte Günter Eichberg damals eine Vielzahl an Ideen und Kontakten im Gepäck. Eine dieser kuriosen Einfälle war folgender: Für 2.000 Mark durfte sich jede Gaststätte auf der Welt das Recht erkaufen, fortan unter dem besonderen Gütesiegel »Schalker Vereinslokal« zu firmieren. Den Anfang machte ausgerechnet die Stammkneipe des damaligen Präsidenten Eichberg auf Sylt.

Zur Einweihung »Bei Herbert« – heute bekannt als »Sansibar« – wurde die komplette Mannschaft mit dem Bus aus dem Trainingslager vom Timmendorfer Strand hin zu den illustren Freunden des Sonnenkönigs gekarrt. Ein rauschendes Fest, ein zufriedener Gastwirt und ein offizielles »Schalker Vereinslokal« im hohen Norden.