Zum Stimmungsboykott bei Hannover 96

Präsident Martin Kind bezieht Stellung

Einen ähnlichen Fall wie in Hannover gab es in Mainz, wo Fans die Symbolik der RAF auf einem Plakat übernahmen. Daniel Meuren riet in einem Kommentar der FAZ den Vereinen zu mehr Gelassenheit. »Eine offene Gesellschaft, die sich Satire gestattet und als Kunstform versteht, muss aber auch mit bissigen Stellungnahmen aus Fankurven zurechtkommen, solange nicht Menschen direkt verunglimpft werden«, schrieb er. Die Vereine allerdings spüren den Druck des DFB, der Hannover mit der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens drohte, falls die Fahne noch einmal im Stadion zu sehen sei.

Kind: »Da wird mir übel«

Martin Kind verteidigt gegenüber 11FREUNDE das Hausverbot: »Diese Fahne hat in unserem Stadion nichts verloren. Das ist meine persönliche Beurteilung, ich trage die Verantwortung. Ich weiß, dass man das anders sehen kann, aber ich habe da meine moralischen Prinzipien. Wenn ich daran denke, dass meine Enkel dieses Plakat sehen und ich es erklären muss, dann wird mir übel.« Gleichwohl räumt Kind jedoch ein, dass man »die Vorschriften bei Spruchbändern konkretisieren« müsse. Die Entscheidung des Klubs sei kein Urteil über Fragen des Geschmacks. »Haarmann wurde verurteilt, es gibt reproduzierbare Fakten. Über Fragen des Geschmacks können wir diskutieren«, sagte Kind.

Kind verweist auf weitere Vorfälle aus dem Fan-Umfeld wie die Beleidigungen gegenüber Pogatetz und das Abbrennen von Pyrotechnik. »Wir haben insgesamt ein gutes Verhältnis und führen seit drei Jahren konstruktive Gespräche. Allerdings habe ich derzeit den Eindruck, dass das eine Einbahnstraße ist. Wir erfüllen Wünsche, doch Teile der Fans verstoßen gegen Regeln.« Die Fans wiederum bemängeln die Kommunikation von Vereinsseite. Man habe kurz nach Saisonbeginn Gespräche mit Martin Kind geführt. »Von einem Verbot der Fahne war allerdings keine Rede«, sagt Jannis Busse von den 96-Ultras. »Dann aber kam am Tag des Levante-Spiels das Hausverbot per Post. Da hatten wir das Gefühl, dass man sich auf das Wort der Verantwortlichen nicht mehr verlassen kann.«

Verbot einer Choreografie wegen Sponsor

Sauer aufgestoßen ist den Fans zudem das Verbot einer Choreografie, bei der laut Ultras »das Wort ,AWD-Arena' auf dem Verkehrsschild durch ,Niedersachsenstadion' ersetzt werden sollte«. Martin Kind sagt dazu: »Wir haben die Choreografie verboten, weil sie sich gegen einen Partner von uns richtete. Wenn wir so etwas zulassen würden, dann könnten wir in Zukunft jede Partnerschaft an die Wand hängen.«

Die Stimmungslage innerhalb der Fanszene ist gespalten. Zwar gab es für die schweigende Szene spöttische »Auf Wiedersehen«-Rufe nach Spielschluss gegen Dortmund, doch auch eine große Anzahl von Unterstützern, die nicht den Ultras angehören. Der Diskussionsthread zu diesem Thema auf der Seite »das-fanmagazin.de« wuchs auf über 140 Seiten. Die Ultras haben alle Fans am Mittwoch zu einem Treffen geladen, es sollen etwa 200 Fans gekommen sein.

Verein und Fans treffen sich am Freitag

Am Freitag soll der Dialog zwischen Fanszene und Verein weitergeführt werden. Die Erwartungen der Beteiligten gehen jedoch auseinander. »Wir haben dem Verein eine Frist gesetzt, um das Hausverbot zurückzunehmen. Wir warten jetzt erst einmal ab, was passiert«, sagt Jannis Busse von den Ultras. »Ich kann nicht verantworten, dass in unserem Stadion die Plattform für einen Massenmörder gegeben wird«, sagt Martin Kind. Und weiter: »Es handelt sich hierbei um ein Hausverbot, das nur für Hannover gilt und zeitlich beschränkt ist. Ich denke, dass der Betreffende weiß, was wir damit sagen wollen.«