Zum Rauswurf der Presse auf Schalkes JHV

Ihr könnt nach Hause fahr'n

Der Ausschluss der Presse bei der JHV des FC Schalke bewegt die Gemüter. »Gutes Recht« und »Denkzettel für die Presse« sagen die einen, »Schalker Lächerlichkeit« die anderen. Dominik Drutschmann über den Rausschmiss aus der Emscher-Lippe-Halle. Zum Rauswurf der Presse auf Schalkes JHVimago

Die Geschichte des FC Schalke bietet in Sachen Jahreshauptversammlungen genug Anekdoten um ein eigenes Kapitel in der Vereinshistorie zu füllen. Eine gute Übersicht über das, was in der Vergangenheit gelaufen ist, bietet das Fanzine »Schalke Unser«. Es listet detailliert die bewegten Mitgliederversammlungen der letzten Jahrzehnte. Überschrieben ist die Kategorie auf der Internetseite der Schalker Fan-Initiative mit »Unsere schönsten Skandale«.

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Daraus lässt sich ein gewisser Stolz ableiten – Skandale gehören zu Schalke, ja mehr noch, sie prägen das Bild des Ruhrgebiets-Klub mit. Doch diese Einschätzung teilen nicht alle Schalker. Um genau zu sein: Die Mehrheit der am Sonntag anwesenden Mitglieder hatte offensichtlich ein Interesse daran, im stillen Kämmerlein zu debattieren, der Presse keinerlei Angriffsfläche zu bieten.

Schaff ich es noch zu Kaffee und Kuchen nach Hause?

Als der Antrag zu Beginn der Mitgliederversammlung vorgetragen wird, erahnen die Journalisten schon, dass es ein kurzer Arbeitstag wird. In der Halle bricht Jubel aus – erst vereinzelt, dann immer mehr. Die Schalker Bosse bekommen für ihre Empfehlung, die Presse nicht auszuschließen, weniger Applaus. Vor allem die Journalisten auf der Tribüne im Oberrang klatschen schlaff in die Hände. Vielleicht  überlegen sie schon längst, was sie mit der unverhofften Freizeit am Sonntagnachmittag anstellen sollen: Wo ist heute Flohmarkt? Schaff ich es noch zu Kaffee und Kuchen nach Hause?

Dem Antragsteller liegt am Herzen, dass nicht wieder ungefiltert über die Versammlung berichtet wird. Später quittieren die Mitglieder das Unmuts-Gemurmel einiger Journalisten über die Entscheidung mit den Worten: »Tja, das ist halt Demokratie.« Natürlich ist eine Wahl in solchem Rahmen demokratisch, doch gehört auch eine freie, ungefilterte Presse zu den Grundpfeilern dieses politischen Systems.

Eineinhalb Stunden dauert die Auszählung der Stimmen. So lange müssen beide Seiten miteinander auskommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kapazität der Halle ausgereizt ist, Teile der Mitglieder auch auf die Pressetribüne gesetzt werden. Wenn man einen Live-Ticker schreibt und um einen herum Schalker Urgesteine sitzen, die mit Argusaugen auf den Bildschirm starren und jeden Satz – in der Sorge um das Ansehen des Vereins – kommentieren, führt das unweigerlich zu Transpiration im hohen Maß.

Ein Lächeln in den Gesichtern der Medienvertreter

Das Ergebnis wird in der Halle gefeiert, vereinzelt gibt es unter den Mitgliedern auch Unverständnis. Die Gäste werden gebeten, die Halle zu verlassen; auch die Journalisten stehen auf. Jedoch nicht alle: Diejenigen, die auch Mitglied bei Schalke sind, dürfen weiter ihrer Arbeit nachgehen. Die anderen gehen vor die Tür. Einige suchen sofort das Weite, nichts wie weg hier. Auf dem Platz hinter der Halle sind einige Fernseher aufgebaut, die in den Minuten danach die Bilder aus der Halle nach draußen übertragen.

Unschlüssig steckt man sich erst einmal eine Zigarette an und telefoniert mit der Redaktion. Was verwundert: der Großteil der Journalisten scheint überaus gut gelaunt. Wer schon einmal bei einer Jahreshauptversammlung dabei war, weiß wie lange solch eine Veranstaltung mitunter dauern kann. Das Lächeln in den Gesichtern der Medienvertreter lässt zweierlei vermuten. Erstens: Anstatt hier den ganzen Tag zu sitzen, kann man Schöneres mit seiner Zeit anfangen. Und: Zu berichten gibt es dennoch was. Denn auch diese Schalker Jahreshauptversammlung wird in das Kapitel der Skandale eingehen.