Zum Niersbach-Rücktritt

Schaden vom Amt fernhalten

Im Juni 2015 will er erstmals von einer Zahlung der 6,7 Millionen Euro erfahren haben. Nach eigenen Angaben habe er danach eine interne Kommission eingesetzt. Doch Niersbach hat weder jemandem aus dem DFB-Präsidium davon erzählt, noch die beteiligten Personen befragt. Erst nach den Fragen des »Spiegel« im Oktober hat er sein Schweigen innerhalb des Verbandes gebrochen und erst dann eine externe Kommission eingeschaltet (die wiederum persönliche Verbindungen zu Niersbachs Büroleiter und zum mutmaßlich Beteiligten Mohamed bin Hammam unterhalten haben soll).

Von Beckenbauer düpiert

Und erst dann hat er sich aufgemacht zu Franz Beckenbauer, der ihn in Salzburg empfing. Dort tischte der »Kaiser« dem DFB-Präsidenten eine undurchsichtige und fragwürdige Version der Geschehnisse auf, in der der DFB angeblich 170 Millionen für 6,7 Millionen bekommen sollte. Doch Niersbach, selbst langjähriger Journalist und eigentlich erfahren im Umgang mit den Medien, lieferte der Öffentlichkeit genau diese Version in einer abenteuerlichen Pressekonferenz ab.

Mindestens vier Monate lang wusste der Präsident von einer absonderlichen Millionenzahlung, ohne diese ansatzweise plausibel erklären zu können. Das ist schon kurios genug.

Der DFB und die DFL schenkten Niersbach aber trotz alledem ihr vollstes Vertrauen. Auch am Tag seines Rücktritts wehrten sie sich mit der bekannten, trotzigen Verteidigungslinie: verklären statt aufklären. »Er ist ein großartiger Mensch (...) Er hat ein überragendes Netzwerk«, sagte Rauball und zum Schritt selbst: »Er übernimmt die politische Verantwortung. Ihm gebührt ein großartiger Respekt.« Seine Ämter bei Fifa und Uefa behält Niersbach indes, es zeigt die Hilflosigkeit des größten Sportverbandes der Welt.

Der DFB agiert hilflos

Er mag unbestrittene Verdienste um den deutschen Fußballbund haben, doch darum ging es in dieser Angelegenheit nicht. Es ging nicht um eine persönliche Fehde zwischen ihm und seinem Vorgänger Theo Zwanziger. Es ging auch nicht darum, wie toll die vier Wochen im Sommer 2006 waren. Auch ist Niersbach ganz sicher nicht der Hauptschuldige der Affäre, in der sich noch andere Akteure verantworten müssen.

Am Montag ist wohl ein weiteres belastendes Dokument über Vereinbarungen mit Fifa-Exekutivmitgliedern aufgetaucht, das Franz Beckenbauer unterschrieben haben soll. Auch hierbei soll es um Stimmenkauf rund um die WM-Vergabe gehen. Dabei ist nicht mehr entscheidend, ob Niersbach jahrelang von den Vorgängen wusste oder eben nicht – beides wäre schlimm genug.

Es ging um die Frage, ob er für dieses Amt noch tragbar war. Niersbach musste sich eingestehen: Nein, das war er nicht. Er täuschte und verklärte. Er war unfähig in der Krise. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Und spätestens seit Montag glaubt er wohl selbst nicht mehr an sein immer wieder beteuertes Märchen von der »sauberen WM«.

Niersbach sagte zum Abschied: »Das Amt des DFB-Präsidenten darf nicht beschädigt werden«. Doch dafür ist es schon längst zu spät.