Zum Karriereende von Mark van Bommel

Zeit zu gehen

Denn van Bommel war ja nicht nur Bösewicht, er war vor allem ein Sieger. 20 Titel hat der Mittelfeldspieler gewonnen, darunter Meisterschaften in den Niederlanden, Spanien, Italien und Deutschland, sowie 2006 die Champions League mit dem FC Barcelona. Titel waren seine Antriebsfeder, seine Motivation. Wie es sich für einen Leistungssportler gehört. Wenn Profifußballer sagen, dass ihnen das schöne Spiel mehr bedeute als gewonnene Titel, dann lügen sie. Oder waren bislang nicht gut genug. Mark van Bommel hat mal gesagt: »Du musst am Ende die Autogrammkarte umdrehen und schauen, was einer gewonnen hat. Dafür spielst du Fußball: um sagen zu können, das und das habe ich gewonnen.« Deshalb werden wir uns auch noch in 20 Jahren an ihn erinnern: weil er so viel gewonnen hat.

Vielleicht geht es ihm dann wie Stefan Effenberg, der während seiner Karriere das Arschloch-Image verpasst bekam und es so lange hegte und pflegte, bis man fast vergaß, was für ein toller Fußballer er doch eigentlich war. Heute ist Effenberg zwar noch immer nicht »Everybody´s Darling«, aber kein vernünftig denkender Mensch würde ernsthafte Zweifel an seiner fußballerischen Klasse äußern. Über Effenberg hat Mark van Bommel 2010 im Interview mit der »FAZ« gesagt: »Es macht mich ein wenig stolz, mit Effenberg verglichen zu werden. Einem Mann, der fußballerische Qualitäten hatte, der aber eine Mannschaft auch führen und einstellen konnte.«

Eier muss man haben

Führen und einstellen. Wie macht man das? Ein guter Fußballer muss man sein, das sowieso. Und auf der richtigen Position spielen. Außenverteidiger Philipp Lahm wird eine Mannschaft nie so führen können, wie Bastian Schweinsteiger. Vor allem aber braucht es Autorität und die Lust daran. Wer keiner Fliege etwas zu Leide tun kann, wer sich vor der Verantwortung drückt, ist für den Job nicht geeignet. »Eier haben«, hat das van Bommel mal genannt. Und nicht nur Oliver Kahn wusste, was er damit meinte.

»Der hat dich beeinflusst mit seiner Körpersprache, seinem Gesichtsausdruck. Er hatte eine natürliche Autorität. In der Kabine hat jeder nur geschaut, ob der Kapitän da ist.« So hat sich Mark van Bommel an sein Vorbild und früheren Mitspieler Luc Nilis erinnert. So einer wollte er damals, in seinen Anfangsjahren beim PSV Eindhoven Ende der neunziger Jahre, auch sein. So einer ist er später in Barcelona, München, Mailand und zuletzt wieder Eindhoven geworden und gewesen. So hat er seine Autogrammkarte voll bekommen.

Jetzt ist Schluss. Mit einem Tritt gegen den Knöchel von Twente-Mann Dusan Tadic hat er seine Laufbahn vorzeitig beendet. Sein Team lag zu diesem Zeitpunkt mit 1:3 zurück. Vielleicht wollte Mark van Bommel ein Zeichen setzen. »Manchmal braucht eine Mannschaft einen Push, wenn sie ein Spiel noch drehen will.« Auch so ein Satz von ihm. Vielleicht wollte er sich auch mit einem seinem Image angemessenen Knall von der großen Bühne verabschieden.

Wahrscheinlich kam er aber einfach zu spät in den Zweikampf. Es ist Zeit zu gehen.