Zum Geburtstag von Boca-Legende Martin Palermo

In seinem Umhang sah er aus wie Superheld

Und doch fehlte Palermo für eine ganz große Weltkarriere der erfolgreiche Schritt über den Teich. Sein Ausflug nach Europa endete jäh, in Spanien, wo er sich bei Villareal, Sevilla und Alaves versuchte, kam er niemals an und flüchtete schnell wieder zu Boca. Alles geschenkt, Palermo brauchte keinen Erfolg außerhalb seiner Heimat, denn da tragen sie ihn auf Händen durch das Bombonera.

2011 trat Palermo endgültig von der Fußballbühne ab. In La Plata, Palermos Geburtsort, gegen Gimnasia. Natürlich spielte El Loco – und legte immerhin ein Tor auf. Obwohl er seinen Abschied bereits am  Wochenende zuvor hatte, denn da betrat er das letzte Mal den Rasen des legendären La Bombonera. Und nach dem bedeutungslosen Spiel gegen Banfield brachen die Dämme. Niemand verließ das Stadion, ein Musiker spielte die argentinische Nationalhymne auf der Mundharmonika. Die Menge auf den Rängen stimmte ein, junge Mädchen und alte Männer lagen sich tränenüberströmt in den Armen. Aus seiner Loge blickte Diego Armando Maradona sprachlos auf das Feld. Ein Gänsehautmoment. Palermo griff mit roten Augen zum Mikrofon und sprach ein letztes Mal zu seinen Aficionados: »Es geht mir im Moment viel durch den Kopf. Ich bin sehr dankbar für alles. Die gemeinsamen Jahre, alle Erfolge und die traurigen Momente. Ich konnte euch nur mit meinen Toren etwas zurückgeben.« 

Ein letzter Blick gen Himmel

Plötzlich rollten zwei Gabelstapler auf den Rasen und rissen eines der beiden Tore aus seiner Verankerung. An der Latte des Gehäuses prangte eine goldene Plakette mit Palermos Namen. Ein letztes Geschenk des Klubs an seinen größten Torjäger. »Nimm es mit. Es ist deins«, sprach der Präsident. Das Tor, Palermos ewiger Antrieb, sein Benzin, sein Elixier, nun ist es endgültig seins.

Jemand hatte ihm kurz zuvor einen Samtumhang umgelegt. Er sah aus wie eine Superheld in blau und gelb, den Farben Bocas. Auf seinem Rücken stand in goldenen Lettern »Super Martin«. Und als er seine zigste Ehrenrunde durch das Stadion lief, blickte er einmal ganz kurz gen Himmel. Es war, als wollte er sagen: »Pass auf, Fußballgott. Der Heilige Martin kann jetzt auch fliegen.«