Zum Elfmeter für Real Madrid

Warum Michael Oliver keine Schuld trifft

Dieser Elfmeter in der Nachspielzeit kommt einer Nadel gleich, die jemand in einen mühsam aufgeblasenen Ballon jagt, kurz bevor man ihn steigen lässt. Eine schwere Fehlentscheidung hat der Brite deswegen allerdings nicht getroffen. Die Beweislage ist eindeutig genug, um den Strafstoß auf Grundlage des Regelwerks verteidigen zu können. Benatia spielt den Gegner, ohne dabei den Ball zu spielen. Ob er das in der 37. oder in der 93. Spielminute tut, kann und muss dem Schiedsrichter egal sein.

Die Erwartungshaltung vieler Fans und Spieler ist dennoch eine andere. Buffon unterstellte Michael Oliver sogar, dass dort, wo in seiner Brust ein Herz schlagen müsste, ein Mülleimer säße. Das ist natürlich anatomischer Unfug und suggeriert, der Unparteiische hätte im Zweifelsfall so zu entscheiden, wie es der Geschichte des Spiels zuträglich ist. Nur wäre er dann eben nicht mehr der Unparteiische.

Im Ermessensspielraum - alles andere erübrigt sich

Michael Oliver wird den Strafstoß wohl kaum gegeben haben, weil er eigentlich gerne ins Bett wollte oder weil es so unwahrscheinlich viel Spaß macht, die ungebremste Wut eines gesamten Vereins inklusive enttäuschter Schaulustiger auf sich zu ziehen. Er hat ihn gegeben, weil er im Ermessensspielraum des Schiedsrichters lag. Alles andere erübrigt sich.

Mit etwas Abstand wird die Erkenntnis bleiben, dass dieses Duell zwischen Real Madrid und Juventus Turin auch ohne Verlängerung ein historisches ist. Vielleicht sogar gerade deswegen. Fans und Spielern von Juventus wird das ein schwacher Trost sein. Aber es ist der Schmerz der Niederlage, der dem Erfolg seinen Wert gibt. Für eine Mannschaft, die gerade die siebte Meisterschaft in Serie ansteuert, kommt diese Erinnerung vielleicht zur rechten Zeit.