Zum Ausscheiden der USA

Der Ritt auf der Guten-Laune-Welle

Offenbar hat Klinsmann große Lust, den von ihm eingeschlagenen Weg als eine Art Supervisor des amerikanischen Fußballs fortzusetzen. Warum auch nicht? Obwohl ihm mit dem Erreichen des Achtelfinals nicht mehr gelang, als seinem Vorgänger Bob Bradley vor vier Jahren, fühlt sich das Turnier 2014 wie ein großer Erfolg an. Der Auftaktsieg gegen Ghana, den Angstgegner, der zwei Mal in Folge für das Ausscheiden der Amerikaner bei Weltmeisterschaften verantwortliche zeichnete, hatte im Team und in der Heimat, wo Fußball inzwischen auf Platz vier der populärsten Sportarten gilt, eine Euphoriewelle losgetreten. Es lief genauso, wie Klinsmann sich das vorgestellt hatte. Mit einem Erfolgserlebnis ins Turnier starten, dann auf der Guten-Laune-Welle reiten, so lange es geht. Der Plan schien aufzugehen. Den Geheimfavoriten Portugal brachten die USA bis an den Rand einer Niederlage. Deutschland biss sich im Regen von Recife ebenfalls an der robusten Spielart und dem selbstlosen Einsatz der US-Spieler aus. 

Klinsmann hat den US-Fußball in all seinen Schattierungen zu seinem Projekt gemacht. Er hat eine funktionierende Talentsichtung im In- und Ausland eingeführt. Er hat dafür gesorgt, dass die Saison der Major Soccer League zukünftig mehr Spieltage umfasst und den Spielern mehr abverlangt, damit die Maßstäbe nach denen US-Profis leben sich  europäischen Verhältnissen anpassen. Er hat den Kader der Nationalmannschaft reformiert und auch auf Verdienste aus der Vergangenheit keine Rücksicht genommen. Rekordtorschütze Landon Donovan wurde kurz vorm WM-Turnier abserviert. Klinsmann hat – wie in seiner Zeit als Bundestrainer – fundamentale Prozesse angestoßen, deren erste Ergebnisse sich bei den Gruppenspielen bereits ablesen ließen. Doch die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.

»Viele von den Jungs haben noch nie auf einem Niveau wie bei der WM gespielt,« sagte er nach der Niederlage gegen Belgien, »aber wir haben gezeigt, dass wir mit Teams wie Deutschland und Belgien mithalten können.«

Seinen Rückflug aus Brasilien hat er sich angeblich erst am Tag nach dem Endspiel gebucht. Gut möglich, dass Klinsmann die freie Zeit nutzt, um sich als Zuschauer in der KO-Phase fußballerisch weiterzubilden. Vielleicht aber plante er von vornherein, endlich mal ein paar Tage Urlaub zu machen.