Zum Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger

Schweini gehabt

Bastian Schweinsteiger wird heute Abend seinen Abschied in der Allianz Arena feiern. Würdigung eines Fußballers, der zum Symbol einer ganzen Generation wurde.

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Große Karrieren sind das Ergebnis erstaunlicher Entwicklungen. Aus Talenten werden Stammspieler, werden Routiniers, werden unverzichtbare Stützen. Im Fußball, wo das nächste Spiel immer das wichtigste ist, sind Entwicklungen sogar noch viel entscheidender als anderswo. Der Ball ist immer schneller als der Fußballer, das Spiel immer schneller als der Spieler. Wer stehen bleibt, wird überlaufen. Und sitzt bald auf der Bank. Wo erfahrungsgemäß sehr wenig Fortschritte gemacht werden können.

Der picklige Jüngling aus Kolbermoor

Die Entwicklung von Bastian Schweinsteiger ist eine der eindrucksvollsten der vergangenen zwei Jahrzehnte im deutschen Fußball. Als Schweinsteiger am 6. Juni 2004 sein Debüt feierte, rief man den pickligen Jüngling aus Kolbermoor noch »Schweini«. War der Zustand der deutschen Nationalmannschaft, gelinde gesagt, unter aller Sau. Deutschland verlor damals mit 0:2 gegen Ungarn, das von Lothar Matthäus trainiert wurde. Eine doppelte Ohrfeige. Die DFB-Auswahl wurde von dem Mann besiegt, der viele Jahre zuvor Anführer der letzten goldenen Generation deutscher Kicker gewesen war. Es verhieß nichts Gutes, wenn da nicht die Debütanten Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski gewesen wären.

Doch während Podolski bis heute »Poldi« gerufen wird (und auch kein Problem damit hat), ist aus »Schweini« der Schweinsteiger geworden – Mittelfeld-Lotse, Weltmeister, Symbolfigur einer ganzen Generation, die ähnlich golden schimmert wie jene zu Zeiten von Matthäus und Co..

Wie das Sams auf Ibiza

»Schweini«, das war der schmalbrüstige Außenstürmer, dem die Trikots am Körper schlackerten, bei dem sich ganze Friseursalons auf dem Schädel austoben durften. Der mit einer jungen Frau des nachts im Whirlpool der FC Bayern-Trainingsanlage erwischt wurde und sich den grandiosen Spaß erlaubte, die Dame als seine Cousine zu verkaufen. »Schweini« war jung und aufregend, war zartes Flackern in der Dunkelheit der EM 2004, zwei Jahre später war er Teil der Lach-, Spaß- und Vollgasfußballgesellschaft beim »Sommermärchen«. Ein junger Hund unter den alten Kläffern. »Schweini« sah aus wie das Sams und niemand hätte sich gewundert, wenn Fotos von ihm aufgetaucht wären, wie er leicht angetrunken am Strand von Ibiza mit hübschen Frauen Beachvolleyball spielt und sich anschließend auf einem quietschbunten Surfbrett ins Wasser stürzt.