Zum Abschied von Alex Meier

Die große Liebe

Der Abschied von Alex Meier war lange klar, und sportlich nachvollziehbar ist er auch. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack.

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Mit der Liebe ist es so eine Sache. Mal trifft sie einen unvermittelt und heftig. Dann wieder entwickelt sie sich langsam und über Jahre. Manchmal ist sie auch eine Berg- und Talfahrt, die viel Arbeit und Verständis erfordert, bis sie dann umso intensiver ist. Die Liebe zwischen den Fans von Eintracht Frankfurt und ihrem Fußballgott Alex Meier gehört definitiv in die letztere Kategorie. 

Als Alex Meier 2004 als 21-Jähriger vom HSV zu Eintracht Frankfurt kam, spielte er in der Zweiten und dann auch in der ersten LIga direkt groß auf, nicht wenige sahen in Meier einen kommenden Nationalspieler. Aber diese Leistungen, dieses für alle sichtbare Potential war es auch, dass viele Eintracht-Fans lange an Meier verzweifeln ließ. Denn viele Jahre lang rief er es zu unregelmäßig ab, auf herausragende Spiele folgten zu oft jene, in denen er sich versteckte – und die Fans, man kann es sich heute kaum noch vorstellen, zu pfeifen begannen. »Ich kann die Kritik an ihm absolut nicht nachvollziehen«, sagte sein Ex-Trainer Friedhelm Funkel bereits 2007. »Ich weiß nicht, was man von ihm erwartet.« Eigentlich war das klar: Dass Meier in jedem Spiel zeigt, was er kann. 

Aus tausenden Kehlen: »FUSSBALLGOTT«

Klar ist aber auch: Hätte »der Lange« das getan, hätte er höchstwahrscheinlich nicht seine gesamte Karriere bei der Eintracht verbracht. Und damit wäre auch die erstaunliche Wandlung nicht möglich gewesen, die Meier spätestens unter Armin Veh vollzog: Vom phlegmatischen Spieler, der zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht, hin zum Topscorer, Leistungsträger, Führungsspieler, Torschützenkönig. 

Und: zur lebenden Legende. Seit einigen Jahren nun wird Meier in Frankfurt nicht weniger als vergöttert, die Fans haben ihm Lieder gewidmet, auf seinen Namen folgt im Stadion aus tausenden Kehlen stets der Zusatz: »FUSSBALLGOTT«. Das liegt einerseits natürlich an Meiers vielen Toren, vor allem aber auch an seinem bescheidenen Wesen und seiner Loyalität. Meier ist immer bei der Eintracht geblieben, im tiefsten Grau des Mittelfelds, in der Europa League, in der Zweiten Liga. Angebote wird es für einen wie ihn zur Genüge gegeben haben, allein: Meier zog die Nestwärme vor. Auch wenn er sich diese hat hart erkämpfen müssen.