Zum Abgang von Zlatan Ibrahimovic

Am Wasser gebaut

Mit einer Niederlage verabschiedet sich Zlatan von der Bühne Nationalmannschaft. Er wird uns fehlen. Wir ihm vermutlich nicht.

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Am Strand von Nizza weiß man manchmal nicht, wo das Wasser aufhört und der Himmel beginnt. Die Farben verschmelzen zu einer gigantischen Kombination aus blau und grau und manchmal auch rosa, es sieht aus wie ein riesiges Babyzimmer. So friedlich. So ruhig.

Die Jungs und Männer mit Zigarette im Mundwinkel und Köder im Einmachglas wissen schon, warum sie hier ihre Angel auswerfen.

Wenn Zlatan Ibrahimovic entspannen will, dann geht auch er angeln. Es existieren Fotos, die den Hünen in den eiskalten schwedischen Gewässern zeigen, Zlatan hebt dann meistens einen spektakulären Fang in die Höhe und grinst stolzer als bei jedem geschossenen Tor.

Kleiner Makel einer ansonsten sensationellen Karriere

Es sagt sicherlich etwas aus, über einen Menschen, wenn er gerne angeln geht.

Gestern hat Zlatan Ibrahimovic gegen Belgien verloren. Schweden ist nach drei Niederlagen in der Gruppenphase sang- und klanglos aus der Europameisterschaft ausgeschieden. Es war vermutlich sein letztes Spiel für die schwedische Nationalmannschaft.

So ein Abgang hat ein Mann wie Zlatan eigentlich nicht verdient. Und vielleicht auch wieder schon.

Als Vereinsspieler hat der inzwischen 34-jährige fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Nur einem Erfolg bei einem internationalen Wettbewerb läuft er seit Jahren hinterher. 2009 wechselte er von Inter Mailand zu Barcelona. Ein Jahr später wurde Inter Champions-League-Sieger.

Er kam als König und ging als Legende

Die entscheidenden Tore im Finale gegen die Bayern schoss nicht Zlatan, sondern Diego Milito. Und als Zlatan ein Jahr später schon Barcelona verließ, gewannen die in der Folgesaison den Titel. Ein kleiner Makel in einer ansonsten sensationellen Karriere. Gerade erst hat sich Ibrahimovic bei Paris St. Germain verabschiedet.

Er tat das auf seine ihm eigene, nicht gerade bescheidende Art und Weise: »Ich kam als König und gehe als Legende.« Seine Kinder trugen die Namen »King« und »Legend« auf dem Rücken, als er mit ihnen noch einmal durch den Prinzenpark marschierte, wie ein Kaiser bei der alljährlichen Parade.

Vielleicht tut es einem Mann mit so einem Ego auch mal ganz gut, wenn er mit Schweden hochkant aus einem Turnier fliegt.