Zum 70. Geburtstag: Wie die großen Jahre des 1. FC Köln verliefen

Bausparvertrag bei den Vertragsverhandlungen

Der ›Spiegel‹ schrieb damals, beim 1. FC Köln gebe es als zusätzliche Bezahlung Bausparverträge und Grundstücke. Hans Schäfer soll sogar eine Tankstelle bekommen haben.
Thielen: Hans Schäfer war damals der wichtigste Spieler des FC. Er lebte vor, was den Klub fußballerisch ausmachte. Der Präsident zeigte den Spielern Wege auf, Kapital für später anzusammeln. Franz Kremer hat sechs Familienhäuser für junge Spieler gebaut, die wir dann über unser Gehalt bezahlen mussten.


Weber: Kremer wollte die besten Spieler längerfristig binden. Das war ein Mittel, um uns hier in Köln zu halten.


Sie drei haben also alle ein Haus gekauft?
Weber: Hannes war da noch gar nicht dabei, der hat später zwei Häuser bekommen, nicht nur eins. (lacht)


So ein Bausparvertrag war fester Bestandteil der Vertragsverhandlungen?
Thielen: Nein, er hat gesagt: ›Das Geld, das ihr jetzt verdient, ist leicht verdient, aber auch schnell wieder ausgegeben.‹ Davor wollte er uns bewahren.


Weber: Kremer hat die Häuser nicht selbst gebaut, er hat nur dafür gesorgt, dass Grundstücke besorgt wurden.


Löhr: Zuerst wurde Richtfest gefeiert, dann war das Haus fertig, und wir haben im Monat 500 Mark bezahlt. Den ganzen Stress, den so ein Hausbau mit sich bringt, hat er von uns ferngehalten. Schauen Sie sich nur Mannschaftsfotos aus dieser Zeit an. Da finden Sie kaum einen, der heute von Hartz IV lebt.


Wer waren die wichtigsten FC-Trainer der Sechziger?
Thielen: Der erste Trainer, der diesen Klub auf eine internationale Ebene gebracht hat, war Tschik Cajkovski. Er hatte vorher als Trainer den FC Utrecht übernommen, die Letzter in der holländischen Liga waren. Mit denen hat er kein Spiel verloren. Tschiks besondere Qualität war die Motivation. Er hat uns angesteckt mit seinem Fußballwahn.


Er war also kein Schleifer? 
Thielen: Mit Schleifen hatte der rein gar nichts zu tun, im Gegenteil. Er hat dich einfach begeistert.


Weber: Er war der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt.


Jugoslawische Übungsleiter waren gemeinhin für ihr hartes, körperliches Training bekannt.
Thielen: Beim Tschik haben wir immer nur gespielt, wir haben alles mit dem Ball gemacht. In den Fünfzigern hatten zwei Nationalmannschaften die Welt beherrscht: die Ungarn und die Jugoslawen. Tschik kam aus dieser Generation, er hatte ein unerschöpfliches Wissen von Geschichten und Spielen.


Löhr: Das Problem war, dass er nicht diszipliniert war. Einmal hat er gesagt: ›Nikita (Cajkovskis Spitzname für Overath, d. Red.) ich schmeißen raus.‹ Zwei Tage später gegen Bayern München hat Overath aber gespielt. Da wusstest du als Spieler, der erzählt viel, wenn der Tag lang ist. So etwas nutzen Spieler ganz schnell aus. Und irgendwann war er nicht mehr tragbar.


Auf Cajkovski folgte Schorsch Knöpfle.
Thielen: Er war genau das Gegenteil. Ein aufrechter Mann, der wie verrückt auf Disziplin achtete. Mit ihm sind wir sofort wieder Deutscher Meister geworden, weil er dieses Vakuum aus Disziplinlosigkeiten ausgefüllt hat.


Knöpfle war der erfolgreichste Bundesligatrainer in den Sechzigern. Was konnte er besser als jeder andere?
Löhr: Er war vielleicht nicht der große Fußballstratege, aber er hat diese Mannschaft, die ja von sehr guten Spielern geprägt war, wunderbar geführt.


Weber: Er war der ideale Trainer, weil er auf junge Leute wie Wolfgang Overath und mich gesetzt hat. Uns hat er an eine Mannschaft herangeführt, die mit erfahrenen Leuten wie Hans Schäfer, Hansi Sturm und Fritz Ewert durchsetzt war und auch über junge Wilde wie Karl-Heinz Thielen oder Helmut Benthaus verfügte. Wir sind mit sechs, acht Punkten Vorsprung Meister geworden.


Thielen: Wolfgang Overath hat als Neuling in den ersten sieben oder acht Spielen immer das 1:0 gemacht. Unglaublich. Hans Schäfer hat ihn einfach nach vorne geschickt, und die anderen haben hinten dichtgemacht.


Weber: Dabei sind in der gesamten Saison nur 14 Spieler für uns aufgelaufen. Wir haben fast immer in derselben Formation gespielt. Das war das Erfolgsgeheimnis.