Zum 70. Geburtstag: Wie die großen Jahre des 1. FC Köln verliefen

»Auch auswärts immer picobello«

Heute feiert der 1. FC Köln seinen 70. Geburtstag. Karl-Heinz Thielen, Wolfgang Weber und der bereits verstorbene Hannes Löhr waren dabei, als der Klub zum »Real Madrid des Westens« wurde. 2011 haben wir sie auf ein Kölsch getroffen. 

Dominik Pietsch

Wolfgang Weber, Hannes Löhr, Karl-Heinz Thielen, wir treffen uns im Geißbockheim, dem ersten Trainingszentrum in der deutschen Fußballgeschichte. Ihre schönste Erinnerung in Verbindung mit diesem Ort?
Wolfgang Weber: Die erste Bundesliga-Meisterschaft 1964. Nach dem Spiel sind wir mit einem Umzug durch Köln gezogen, anschließend fanden hier die Feierlichkeiten statt. Auf dem Parkplatz standen 30 000 Menschen.


Hannes Löhr: Das Geißbockheim war das Zentrum meines sportlichen Wirkens. Zwischen 1964 und 1986 war ich hier als Spieler, Co-Trainer, Trainer und Manager heimisch. Wenn ich hierhin komme, fühle ich mich zu Hause.


Karl-Heinz Thielen: Als Student habe ich hier sogar gewohnt. Das war praktisch, weil wir zweimal am Tag trainiert haben und ich morgens um sechs zum Repetitor musste. Unser Präsident Franz Kremer hat für mich sein Büro geräumt. Stattdessen wurde mir eine kleine Wohnung eingerichtet, was mir half, mein Studium zu Ende zu bringen.


Was haben Sie studiert?
Thielen: BWL. Es war damals nicht einfach, als Profi gleichzeitig zu studieren. Ich habe vor dem Examen anderthalb Monate nicht gespielt. Franz Kremer hat gesagt: ›Es ist wichtiger, dass Sie das Diplom schaffen.‹


Gibt es einen speziellen Platz hier, der für Sie besondere Bedeutung hat?
Weber: Das Entmüdungsbecken hatten wir damals als erster Verein in Deutschland. Allerdings konnten wir nicht nach jedem Training damit rechnen, dass auch Wasser im Becken war.


FC-Präsident Kremer gilt als Urvater der Kommerzialisierung im deutschen Fußball und Erfinder der Bundesliga.
Thielen: Er hat als einer der Ersten erkannt, in welche ökonomischen Bereiche sich der Fußball entwickelt. Zur Meisterfeier traf er mit einer Brauerei ein Abkommen, damit sie dem FC das Bier umsonst zur Verfügung stellt. Die Mitglieder konnten umsonst Bier trinken, aber sie mussten ein Glas mit unseren Namen kaufen. An diesem Tag wurden 15 000, 20 000 Gläser für zwei Mark das Stück verkauft. Da wurde mir bewusst, wieviel Geld im Fußball zu verdienen ist.


Hannes Löhr, Sie wechselten als umworbenes Talent aus Saarbrücken zum FC. Warum?
Löhr: Weil es der am besten geführte Klub war und weil man ordentlich Geld verdienen konnte. Damals hatte ich die Auswahl zwischen 16 Vereinen, weil ich im Südwesten zweimal Torschützenkönig geworden war. Sicher hätte ich irgendwo noch mehr verdienen können, aber der FC war das, was heute Bayern München darstellt. Man musste einfach dahin. 


Und Sie, Wolfgang Weber?
Weber: Ich war Jugendnationalspieler in Porz und bekam Angebote vom FC, von Viktoria Köln und aus Leverkusen. Die Gründung der Bundesliga stand bevor, und mir war klar, dass von diesen drei Vereinen nur der FC die Chance haben würde, aufgenommen zu werden. Und ich wollte natürlich ganz oben mit dabei sein.


Welche Strahlkraft ging damals von der Bundesliga aus? Wenn etwas neu eingeführt wird, gibt es auch immer reichlich Bedenkenträger.
Thielen: Die Bundesliga wurde unisono positiv aufgenommen. Dagegen waren nur die Vereine, die nicht aufgenommen wurden, etwa Alemannia Aachen. Und es gab auch böse Stimmen, die behaupteten, Kremer habe die Gründung absichtlich vorangetrieben, um die unmittelbaren Konkurrenten auszuschalten. Völliger Unsinn.


Löhr: Die Liga wurde auch von Sepp Herberger gewünscht. Er wollte Kräfte bündeln, um dadurch eine leistungsstärkere Nationalmannschaft zu bekommen.


Weber: Ein Grund war sicher auch, dass Deutschland bei der Weltmeisterschaft 1958 nur Vierter geworden und 1962 sehr früh ausgeschieden war. Die anderen Verbände in England, Spanien und Italien hatten das Profitum bereits 1900 eingeführt. Nur in Deutschland glaubte man noch, mit Halbamateuren zurechtzukommen. 1954 hatte das noch geklappt, aber auf Dauer war das kein Zustand.