Zum 50. Geburtstag: Eine Ode an Oliver Kahn

Fehler im System

Nach der Karriere scheint daraus die Regel geworden zu sein. Aber wie kam der Wandel zustande, wo war er hin, der verbissene Titan? In einem 11FREUNDE-Interview beschrieb er seine Karriere als ein System, »das nur auf Erfolg und Disziplin beruhte«. Doch was bleibt übrig, wenn das System langsam an Geschwindigkeit verliert, sich die Karriere dem Ende zuneigt?

Oliver Kahn machte es anders als viele seiner Ex-Kollegen, er erfand sich neu und blieb im Geschäft. Das schaffte er insbesondere mit Selbstironie.

Nicht immer einfach weiter

Das beste Beispiel ist eine Szene zwischen ihm und seinem Moderationspartner Oliver Welke. Auf den Hinweis Kahns, dass er etwas gelesen habe, lacht Welke lauthals los. Man stelle sich vor, jemand hätte sich Anfang der 2000er derart über Kahn lustig gemacht. Der Stollenabdruck auf dem Brustbein wäre wohl heute noch zu sehen. Kahn aber stimmte ein ins Lachen. Elegant. Und das hat Folgen. Inzwischen sollen sogar Fans des FC Schalke zu einer gewissen Sympathie mit dem ehemaligen Nationaltorwart neigen.

Zu Lockerheit und Ironie gesellt sich Kahns Geschäftssinn. Frühe Angebote als Manager einzusteigen, lehnte er ab. Er studierte Sportmanagement und gründete seine eigene Firma. Im Vergleich zu anderen ehemaligen Spielern hat Kahn auch hier verstanden, worum es geht. Er nahm sich die Zeit, die er brauchte. Sein altes Credo »Weiter, immer weiter« wandelte sich in »Weiter, gut vorbereiten, immer weiter«. Als einer der wenigen ist er als Experte und Unternehmer sympathischer geworden als er es je war. Er schaffte den Absprung aus der Vergangenheit.

Dass der Weg ihn zukünftig an die Spitze des FC Bayern führt, scheint beschlossene Sache. Und zwangsläufig. Kahn kennt den Verein, den Fußball, er bringt das Wissen und die Ausstrahlung mit. Sollte es dann wider Erwarten doch nicht klappen, oder sollte er einfach irgendwann keine Lust mehr haben auf den Job beim Rekordmeister, kann er ja wieder zurück auf den Posten als TV-Experte. Die deutschen Fußball-Fans würde es freuen. Und am Ende stimmt es eben doch: Es geht weiter. Immer weiter.