Zum 40. Geburtstag des Nürnberger Phantoms Marek Mintal

»Ich hatte nicht viel Talent«

Heute feiert die Nürnberger Legende Marek Mintal runden Geburtstag. Im Interview erzählt er von seiner Angst, sich zu blamieren, von vielen Süßigkeiten aus dem Westen und von einem Drama namens Berlin.

imago

Marek Mintal, Sie sind 1977 in Zilina, im mittleren Osten der damaligen Tschechoslowakei, geboren. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit und Jugend?
Wir hatten nicht viel, im Vergleich zu heute fast gar nichts, aber das reichte uns damals. Ich habe drei Geschwister, zwei tolle Eltern und eine große Familie, da war immer was los. Mein Vater und seine beiden Brüder waren Erstliga-Fußballer, der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm. Im Sommer spielten wir Fußball, im Winter Eishockey. Manchmal mit Schienbeinschonern, manchmal ohne. Ich brach mir die Nase, schlug mir die Lippen auf, bekam den Puck auf die Schienbeine oder ins Gesicht. Einmal verlor ich dabei einen Zahn. Es war das beste Training für meine spätere Profikarriere.

Inwiefern?
Ich hatte nicht sonderlich viel Talent, aber ich konnte das durch vollen Einsatz und eine fantastische Kondition ausgleichen. Wenn du dich als kleiner Junge beim Fußball oder Eishockey gegen die Großen durchzusetzen lernst, brauchst du keinen Fitnesscoach, das geht von ganz alleine. Denn wenn man mit den Älteren nicht mithalten konnte, durfte man nicht mehr mitspielen, das wollte ich natürlich verhindern. Kurz vor Weihnachten kauften wir uns immer neue Schläger und dann ging es bei minus 20 Grad aufs Eis, stundenlang. Niemand kontrollierte die Zeit, oder ob wir uns auch nicht verletzten. Ich bin sehr dankbar für diese Jahre.

Wie haben Sie sie »samtene Revolution« vor 25 Jahren in der Tschechoslowakei erlebt?
Plötzlich war das Leben voller neuer Möglichkeiten. Wenn wir früher mal in den Urlaub fuhren, dann nach Polen, in die Ukraine oder nach Bulgarien. Jetzt waren die Grenzen offen und man durfte hin, wo man wollte. Wenn ich mit meiner Mannschaft bei Jugendturnieren im Westen spielte, gab ich mein komplettes Geld für Süßigkeiten aus: Gummibärchen für meine Geschwister, Nutella für meine Eltern, Kaugummi für mich – mein Vater hatte lange für die 100 Mark oder Gulden arbeiten müssen und ich setzte es komplett in süßes Zeug um. Das war gut angelegt.

Wollten Sie immer Fußballer werden?
Ja! Ich habe so viele Sportarten ausprobiert, aber Fußball war meine Nummer eins. Wenn das Training vorbei war, spielte ich Fußball-Tennis mit den Rentnern, da musste man höllisch aufpassen, keinen Fehler zu machen, sonst wurde man von einem 65-Jährigen angeraunzt. Mit 19 stieß ich zur ersten Mannschaft und musste mich erstmal hinten anstellen: Bälle aufpumpen, Kisten schleppen, das volle Programm. Das tat ich sogar bei der U21, obwohl wir da Betreuer hatten. Aber es machte mich stolz. Und von Jahr zu Jahr schoss ich mehr Tore.

Sie waren schon 25 Jahre alt, als Sie 2003 zum 1. FC Nürnberg wechselten. Träumten Sie von einer Karriere im Ausland?
Natürlich. Aber meine Ziele waren Tschechien oder Russland, ich dachte daran, irgendwann einmal in diesen Ligen zu spielen und vielleicht 250.000 Dollar im Jahr zu verdienen. Die Bundesliga erschien unerreichbar, ich kannte sie nur von „Ranissimo“, die Sendung schaute ich mir jeden Sonntag an. Die vollen Stadien, die großartigen Spieler – manchmal vergaß ich vor lauter Bewunderung fast zu atmen.

Der Legende nach wurden Sie dem 1. FC Nürnberg 2003 vom deutschen Autohändler Peter Hammer empfohlen.
Nicht ganz. Der Vater von Peter Hammers slowakischer Freundin war Trainer in der Slowakei. Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber er offenbar mich. Er empfahl mich und Robert Vittek, der damals bei Slovan Bratislava spielte, und Hammer gab das an seinen Bekannten Wolfgang Wolf weiter. Wolf trainierte zu dieser Zeit die frisch aus der Bundesliga abgestiegenen Nürnberger. Am vorletzten Spieltag saß Wolf mit seinem Bruder Arno bei uns auf der Tribüne, im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft trafen wir auf Slovan. Vor dem Spiel dachte ich mir: Du hast nur diese eine Chance, jetzt nutze sie auch! Wir gewannen mit 2:1 und wurden Meister vor Slovan, die nach der Hinrunde noch zwölf Punkte Vorsprung gehabt hatten. Kurz darauf wurde ich erstmals nach Nürnberg eingeladen.

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