Zum 40. Geburtstag des Nürnberger Phantoms Marek Mintal

»Ich wollte mich nicht betrinken«

Hat sich Meira bei Ihnen entschuldigt?
Nein, wir haben nie miteinander gesprochen. Gleich nach der Partie kam Markus Babbel zu mir und erkundigte sich nach der Schwere der Verletzung. Aber ich bin niemanden Böse, so ist Fußball.

Wie war die Party nach dem Pokalsieg?
Nach dem Bankett im Hotel kamen die Schmerzen. Und zwar richtig. Da halfen auch die Schmerztabletten nicht und betrinken wollte ich mich auch nicht. Während die anderen in die Disco gingen, lag ich alleine auf meinem Zimmer. Ich konnte mich allerdings ganz gut auf andere Gedanken bringen, fünf Tage zuvor war mein zweiter Sohn geboren worden.

Wie gingen Sie damit um, als Sie in den folgenden Jahren immer seltener spielten und sich stattdessen jüngerer Konkurrenz erwehren mussten?
Zwei, drei Monate hatte ich damit riesige Probleme. Wenn ich nach einer guten Trainingswoche nicht meinen Namen in der Aufstellung fand, dann wurde ich wütend und enttäuscht, aber irgendwann stellte ich fest, dass das nicht der richtige Weg war, damit umzugehen. Ich wollte wieder Spaß am Fußball haben, wollte freier im Kopf sein. Das gelang mir auch und wenn ich nicht in der Startelf stand, tat das zwar immer noch weh, war aber nicht mehr so schlimm.

2013 beendeten Sie Ihre Karriere. Wie war der erste Tag als Fußball-Rentner?
Es war schön und traurig zugleich. Am Anfang genoss ich die freie Zeit, fuhr mit meiner Familie in den Urlaub, lag faul in der Sonne und verbrachte viel Zeit mit meinen Kindern. Aber irgendwann fehlte mir der gewohnte Tagesablauf und bald stieg ich beim FCN als Trainer ein, der Fußball hatte mich wieder. (Heute trainiert Mintal Nürnbergs U16, d. Red.)

Warum haben Sie nie den Verein gewechselt? Sie hatten Anfragen von vielen großen Klubs.
Ich war damals einfach sehr glücklich und zufrieden. Ich mochte die Stadt und den Verein, liebte das Stadion und die Fans. Meine Familie fühlte sich wohl, ich hatte also alles, was ich brauchte. Warum hätte ich nur für Geld all das aufgeben sollen? Ich bin so dankbar für alles, was man mir hier ermöglicht hat. Ich habe nie auch nur eine Sekunde daran gedacht, diesen wunderbaren Verein zu verlassen.