Zu Union Berlins Bundesligadebüt

Scheiße, wir steigen auf!

Drogenexperiment? Religiöse Ekstase? Die Aufstiegsfeier von Union Berlin war all das und noch viel mehr. Wer sich die Bilder des Wahnsinns anschaut, merkt schnell: Die Bundesliga kann sich auf den Klub freuen. 

Sebastian Wells
Heft: #
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Wenn sich die Fans von Union Berlin in den nächsten Jahren noch mal daran erinnern, wo sie eigentlich waren, als ihr Verein zum ersten Mal in die Bundesliga aufgestiegen ist, wird Dirk Zingler die ungewöhnlichste Antwort geben. Bemerkenswerter wird sie noch dadurch, dass er seit 2004 nicht nur Präsident, sondern so etwas wie der erste Fan des Klubs ist. Ohne ihn, daran besteht kein Zweifel, wäre Union Berlin nicht der 56. Verein in der 56-jährigen Geschichte der Bundesliga geworden. 

Nur, es war kein normaler Aufstieg durch während der Saison gesammelte Punkte, sondern eine bis zur Unerträglichkeit spannende Zuspitzung eines nervenzerfetzenden Finales. Im zweiten Relegationsspiel gegen den VfB Stuttgart stand es 0:0, als die Tafel des vierten Offiziellen hochging und eine »5» anzeigte. Fünf grauenhafte Minuten würde Union noch überstehen müssen. Wobei dem Gast aus der Bundesliga nach dem 2:2 im Hinspiel ein dämlicher Treffer reichen würde, ein irgendwie über die Linie trudelnder Ball, um die Klasse zu halten und Unions Aufstieg zu verhindern.

Dem Videobeweis sei Dank

In der ersten Halbzeit war Union von einen wilden Stuttgarter Sturmlauf zerzaust worden, hatte aber mit aller Kraft dagegengehalten und ihn so überstanden. Wobei der Ball einmal sogar in ihrem Tor eingeschlagen war, ein fein ins Tor gezirkelter Freistoß. Doch aus dem Entsetzen der Unioner war bald Jubel geworden, weil sich der Stuttgarter Stürmer Gonzalez einer irrwitzigen Eingebung folgend hinter die Berliner Mauer geschlichen hatte, ins Sichtfeld des Berliner Keepers Gikiewicz – und damit ins Abseits. Die Videobilder ließen keinen Zweifel an dieser Narretei, und in diesem Moment priesen selbst seine größten Gegner in Rot-Weiß den Videobeweis. In der zweiten Halbzeit legte sich der Stuttgarter Sturm, nun hatte auch Union mal Chancen und traf zweimal den Pfosten.

Alles klar! Es sollte einfach nicht sein! Das konnte nur schief gehen! Als dann noch fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, beschloss Dirk Zingler, aufs Klo zu gehen. Einfach runter von der Tribüne, es war schließlich nicht mehr auszuhalten. Als er das Herren-WC verließ, traf er seine Frau, die aus der Damentoilette kam. Dann war das Spiel vorbei und Union aufgestiegen. Sie sanken sich in die Arme.