Zu Özil, Gündogan und Erdogan

Fragen über Fragen

Das gemeinsame Foto von Mesut Özil, Ilkay Gündogan und dem türkischen Präsidenten Erdogan sorgt für mächtig Aufruhr. Das ist nachvollziehbar, wirft aber vor allem jede Menge Fragen auf.

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Mesut Özil und Ilkay Gündogan werden in London mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografiert. Gündogan unterschreibt ihm sogar ein Trikot mit den Worten: »Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll«.

Und Deutschland gerät in Aufruhr.

Das ist nachvollziehbar, schließlich kann man Erdogan ziemlich vieles vorwerfen. So wie es DFB-Präsident Reinhard Grindel tut, der sofort nach Bekanntwerden des gemeinsamen Fotos von Özil, Gündogan und Erdogan twitterte: »Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden. Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen.«

Özil und Erdogan kannten sich bereits



Nun könnte man fragen, warum sich ausgerechnet der Präsident eines Verbandes, der gemeinsame Sache mit dem nicht minder umstrittenen Regime Chinas macht, die Moralkeule schwingt. Man könnte fragen, warum der DFB nicht deutlicher Stellung bezieht gegen das Unrecht, welches im WM-Gastgeberland Russland herrscht. Man könnte auch einfach nur fragen, was Integrationsarbeit und vermeintliche Wahlkampfmanöver unmittelbar miteinander zu tun haben. Man könnte aber auch fragen, warum man das überhaupt alles miteinander in Zusammenhang setzen muss.

Man könnte fragen, ob der Grünen-Politiker Cem Özdemir nicht Recht hat mit seinem Hinweis, der Präsident deutscher Nationalspieler heiße Frank-Walter Steinmeier. Genauso wie man fragen könnte, ob das nicht wahnsinnig oberlehrerhaft ist.

Man könnte fragen, warum es 2016 nicht einen ähnlichen Aufschrei gab. Damals traf Mesut Özil ebenfalls auf Erdogan. In der Türkei. Vielleicht ist das nicht haften geblieben, hat nicht so sehr für Erregung gesorgt, weil Özil sich damals explizit nicht zu politischen Themen oder pro Erdogan äußerte. Auch in der Heimat seiner Eltern nicht. Man könnte fragen, wann sich Özil denn jemals explizit pro Erdogan geäußert hätte.