Zu Niersbachs desolater Pressekonferenz

Mehr Fragen als Antworten

Auf einer hektisch einberufenen Pressekonferenz nimmt Wolfgang Niersbach Stellung zu den Korruptionsvorwürfen. Und wirft weitere Fragen auf.

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Schon das Zustandekommen der Pressekonferenz ließ tief in die Gemütslage der DFB-Oberen blicken. Erst knapp eine Stunde vor ihrem Beginn wurde die PK angekündigt – wie in der Vorwoche scheinen die Enthüllungen des »Spiegel« DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in Panik versetzt zu haben.

Wer auf der Pressekonferenz nun erwartete, dass Niersbach Licht ins Dunkel des möglicherweise größten Skandals des deutschen Fußballs brächte, sah sich getäuscht. Ein sichtlich angeschlagener Präsident lavierte sich durch seine Erklärung, wich den Nachfragen der Journalisten entweder aus oder beantwortete sie mit Phrasen wie »Das weiß ich nicht«, oder »Das entzieht sich meiner Kenntnis.« Eine alles in allem desolate Vorstellung Niersbachs, der in den 45 Minuten Pressekonferent mit vielen Worten wenig sagte und eher neue Fragen aufwarf, wo eigentlich Antworten vonnöten gewesen wären.

»Ich habe schon mitbekommen, dass da irgendwas war«

Die vom »Spiegel« als Schmiergeld bei der WM-Vergabe vermuteten 6,7 Millionen Euro seien, so Niersbach,  ein Darlehen des verstorbenen Robert Louis Dreyfus gewesen, die dieser für den DFB an die Fifa gezahlt habe. Mit dem Geld soll sich der DFB einen Zuschuss der Fifa von 250 Millionen Euro für Organisationsunterstützungen für die WM gesichert haben, den zuvor Franz Beckenbauer und Sepp Blatter in einem »Vieraugengespräch« vereinbart hatten.

Ob er von diesem Vorgang Kenntnis gehabt habe, wurde Niersbach gefragt. Er blieb vage: »Ich habe schon mitbekommen, dass da irgendwas war, was mit Robert Louis-Dreyfus zu tun hatte«. Aha. Auch verschwieg er, wie er, angeblich erst in diesem Sommer, von der Rückzahlung des Geldes aus einem offiziell als »Kultur-Programm« deklarierten Topf an die Fifa und weiter an Louis-Dreyfus erfahren habe »Über Umwege«. Soso.

Warum nahm der DFB kein Bankdarlehen auf, sondern entscheidet sich für einen dubiosen Zahlungsweg über einen Geschäftspartner?

Die Fragen werden nach Niersbachs desaströsem Auftritt nicht abnehmen, eher im Gegenteil. Warum verabreden Blatter und Beckenbauer einen derart intransparenten Vorgang? Warum muss der DFB Gelder zahlen, um Gelder von der Fifa zu bekommen? Warum springt eigentlich der Chef des Ausrüsters als Finanzier ein? Warum hat der DFB selber nicht das Geld aufbringen können? Warum nimmt man kein Bankdarlehen auf, sondern entscheidet sich für einen dubiosen Zahlungsweg über einen Geschäftspartner? Und wenn es wirklich ein normaler Vorgang war, sich den Fifa-Zuschuss durch jene Zahlung zu sichern, warum steht dies dann nicht als solcher im Haushalt? Antworten darauf hatte Niersbach nicht, außer jener: »Das weiß ich nicht, das entzieht sich meiner Kenntnis.«

Es wird spannend sein, ob und welche weiteren Enthüllungen der »Spiegel« in seiner kommenden Ausgabe publiziert. Es bleibt einzig zu hoffen, dass Wolfgang Niersbach sich selber und der Öffentlichkeit den Gefallen tut, und nicht mit einer Pressekonferenz darauf antwortet. Denn Antworten scheint man von ihm nicht erwarten zu können.