Zu Gast beim Non League Day

Ein offener Brief von Paul Scholes

Eigentlich müsste er auch auf dem Platz sein, neben den Ex-Profis stehen, Interviews geben, ins Publikum grüßen, aber er möchte auch das nicht. Wie ein Superheld, der sein Kostüm abgelegt hat und es genießt, von niemandem erkannt zu werden. Vorhin hat er sogar Eintritt gezahlt, obwohl vermutlich jeder hier schon mal seinen Namen gehört hat. Selbst Les Ferdinand fragt später: »Er ist hier?« Und dann referiert der Ex-Nationalspieler am Spielfeldrand noch über die Wichtigkeit des Non League Day. »Die Premier League hat den Amateurfußball zu lange ignoriert«, sagt er. »Vielleicht weil sie zu groß geworden ist. Aber seit dem Vardy-Märchen ändert sich das.«

James Doe lächelt. Wollte er wirklich kein Selfie mit Les? Keinen kurzen Chat? Immerhin, das hat er vor dem Spiel erzählt, sei Ferdinand früher sein Idol gewesen. Aber nun zieht er nur die Schultern hoch. Als würde er über ein paar Gegenfragen sinnieren: Brauchen wir diese Hysterie hier? Sind wir nicht auch hier, weil Personenkult so unwichtig ist?


Dieses Jahr findet auch ein deutscher Non-League-Day statt. Mehr Infos zum TAG DER AMATEURE auf www.tagderamateure.de

Dann fällt das 4:2 für Hampton, wieder der Check des Smartphones, bei Twitter schreiben etliche Klubs stolz, dass sie Zuschauerrekorde gebrochen haben. Sogar die Premier League hat getwittert: »It’s NLD in the UK – the starting place for many PL stars.« Doe postet einen Link zum Non-League-Day-Shop, wo man T-Shirts kaufen kann. Also macht er doch ein bisschen Geld? »Nein, wir decken die Produktionskosten«, sagt er, »der Rest geht an die Prostatakrebshilfe.« Er spannt den Schirm auf, der Regen wird stärker, und verlässt undercover das Stadion.

Zwei Tage später erscheint auf der Website des »Guardian« ein Artikel, der mehrere tausend Male geteilt wird. Der Titel: »Why I prefer non-league football to the Premier League now«. Der Autor schreibt darin über die Schönheit des Kleinen und darüber, dass es im Profifußball leider zu oft um Geld, Geschäftsmänner und Sponsoren gehe. Bei Klubs wie Royter Town und Salford City FC sei es doch oft viel unterhaltsamer. Der Name des Autors ist: Paul Scholes. Wenige Minuten nach der Veröffentlichung drückt James Doe auf den Retweet-Button.

Die Reportage »Die da unten« stammt aus 11FREUNDE #179. Ihr könnt sie bei uns im Shop nachbestellen oder im iTunes- und im Google-Play-Store herunterladen.