Am 8. Oktober 2017 auch bei deinem Verein
Dieses Special wird präsentiert von: 
HanseMerkur

Zu Gast beim Non League Day

Die da unten

Am Wochenende findet zum ersten Mal der TAG DER AMATEURE statt. Das Vorbild ist der Non League Day aus England. Wir haben den Gründer begleitet.

Harry Mitchell
Heft: #
179

Am Sonntag haben die Profivereine spielfrei. Wir feiern mit euch zum ersten Mal den TAG DER AMATEURE. Ein Vorbild war zum einen die »Lokalrunde«, aber auch der englische »Non League Day«. Während des NLD 2015 haben wir Gründer und Initiator James Doe durch London begleitet. Die Reportage stammt aus 11FREUNDE #179. 

Eine Geschichte über englischen Amateurfußball muss eigentlich auf einem alten Ground beginnen. Irgendwo in East London vielleicht, Isthmian League, ächzende Holztribünen, enge Stehtraversen, ballonseidene Trainingsanzüge, Zahnreihen mit Mut zur Lücke, so was halt.

Diese Geschichte aber fängt ganz oben an: In einem dieser futuristischen Londoner Bürotürme des Pay-TV-Senders Sky. Am 2. September 2016, einem Freitagnachmittag, soll James Doe hier ein Interview geben. Er wird mit einer Moderatorin sprechen, die einen engen Rock trägt und Mut zur Extraschicht Make-up hat, und sich mit einem Moderator unterhalten, dessen Frisur aussieht, als hätte jemand den Scheitel per Geodreieck vermessen. James Does Hände zittern. Der 41-Jährige, weite Cargohose, schlaksige Statur, praktische Glatze, steht nicht besonders gern im Mittelpunkt. Aber nützt ja nichts: Da muss er jetzt durch. 

»Tag der offenen Tür« des britischen Amateurfußballs

»Darf ich die Fragen vorab sehen?«, fragt er, als ihn eine Sky-Mitarbeiterin in die Maske begleitet. »Klar«, sagt sie, »ist alles ganz harmlos. Sie brauchen nicht nervös zu sein.«

James Doe ist hier zu Gast, weil er vor sechs Jahren eine großartige Idee hatte: Er erfand den Non League Day, eine Art »Tag der offenen Tür« des britischen Amateurfußballs. Seit 2010 ruft Doe Fußballfans einmal im Jahr dazu auf, ihre lokalen Amateurklubs zu unterstützen. Er terminiert den Non League Day jedes Mal auf einen Samstag im Spätsommer oder Herbst, an dem weder die Teams der Premier League oder Championship noch die englische Nationalelf spielen. Morgen, am 3. September, findet die siebte Auflage statt, und weil aus dieser Idee, die einst mit einem kleinen Aufruf auf Facebook begann, im Laufe der Jahre ein nationales Happening wurde, ist Doe zumindest am heutigen Tag ein gefragter Mann im englischen Fußball. 

Als wären sie an dem Tag wieder Kind, kurz vor dem ersten Stadionbesuch

Nicht nur Sky, sondern auch die BBC, die »Times« oder der »Guardian« berichten regelmäßig über sein Anliegen. Und wenn man all die sehnsuchtsvollen Tweets und nostalgiegeschwängerten Berichte liest, bekommt man manchmal den Eindruck, dass ein ganzes Land langsam genug hat vom ewigen Höher-Schneller-Weiter der Premier League und ihrer Ausläufer – sogar die Profis selbst. Vereine wie Everton und West Ham oder Ex-Spieler wie Les Ferdinand oder Gary Neville sind jedenfalls auch voller Euphorie, wenn der Non League Day ansteht. Als wären sie an dem Tag wieder Kind, kurz vor dem ersten Stadionbesuch, aufgekratzt und vorfreudig, smells like football spirit, so wie früher.

Weil die britischen Amateurteams wissen, dass sie selten mehr Aufmerksamkeit als an diesem Tag bekommen, legen sie sich mächtig ins Zeug. Sie reduzieren die Ticketpreise, spenden Teile des Eintritts an gemeinnützige Projekte oder werben mit kreativen Aktionen. Nun sollte man nicht glauben, dass die kleinen Stadien an diesem Tag überall aus den Nähten platzen, aber jeder Non League Day hinterlässt bei den Vereinen zumindest das gute Gefühl, dass sie im Schatten des gigantischen Profiapparats nicht ganz in Vergessenheit geraten sind. Denn wann wird schon landesweit über Bungay Town, einen Zwölftligisten aus Suffolk, berichtet? 2014 waren die Zeitungen voll mit diesem Klub, nur weil der Besitzer jedem Besucher am Eingang einen Korb mit Pilzen überreicht hatte. 

Dulwichs Stadion, der Champion Hill, war ausverkauft.

Auch der Siebtligist Dulwich Hamlet bekommt seit zwei Jahren immer mehr Presseanfragen, denn er gilt seit Neuestem als so etwas wie der coole, heiße Scheiß im englischen Amateurfußball, was auch ein wenig mit einem Spiel beim Non League Day zusammenhängt. Im September 2014 zogen die Fans mit pink-blauen Fahnen und Schals durch ihr Viertel und verteilten Flyer, auf denen stand: »Dulwich will not be televised.« Deswegen solle man am Non League Day unbedingt ins Stadion kommen. Viele Anwohner fanden das so lustig, dass sich wenig später ein Tross aus 3000 Menschen in Bewegung setzte. Dulwichs Stadion, der Champion Hill, war ausverkauft.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!