Zu Ehren von Robert Enke: Florian Fromlowitz erinnert sich

Ich habe nicht mehr funktioniert

Natürlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied, und ich will nicht sagen, dass ich keine Fehler gemacht habe. Trotzdem habe ich mir damals oft die Sinnfrage gestellt und hatte Existenzängste. Wie tief sollte es noch gehen? Ich hatte ja geahnt, dass es nach Hannover nicht einfach werden würde. Doch dass der Abstieg so schnell kommen würde, hätte ich nie gedacht. Auf Europa-League-Kurs mit Hannover 2011, danach nur noch 15 Spiele und 2014 zweiter Torwart in der Dritten Liga.

Roberts Tod ist nun fünf Jahre her. Oft wurde ich gefragt, ob der Fußball seitdem sensibler geworden ist. Ich finde ja. Zumindest habe ich das Gefühl, dass viele Vereine sich Gedanken über psychologische Betreuung machen, und so das Thema Depression nicht mehr so tabuisiert wird wie noch vor einigen Jahren. Natürlich ist der Druck im Fußball immens. Wenn du nicht funktionierst, bist du raus. Doch ist das nur im Fußball so?

Ich habe offenbar nicht mehr funktioniert. Jedenfalls aus Sicht meiner Trainer. Doch dass ich in Wiesbaden bislang nicht spiele, ist die kleinste Niederlage in meinem Leben. Ich habe hier wieder Freude am Fußball entdeckt. Unser Torwarttrainer, Steffen Vogler, sagte mir am Anfang, dass er mich nicht anhand meiner bisherigen Karriere bewerte, nicht anhand meiner Fehler, nicht anhand des Enke-Erbes. Das gab mir ein gutes Gefühl. Vielleicht ist diese Gelassenheit etwas Positives, was ich aus der ganzen Sache ziehe.

Natürlich macht es mich ein bisschen wehmütig, wenn ich sehe, wie meine ehemaligen U21-Mitspieler Manuel Neuer, Mesut Özil und Sami Khedira, mit denen ich 2009 Europameister wurde, nun die WM gewinnen – doch ich kann mich auch sehr für sie freuen. Wenn mein 20-jähriges Ich vor mir stünde, würde es mich nicht verstehen. Früher dachte ich: Zeig niemals Schwäche, sei nie zufrieden. Heute denke ich, dass ich einen Beruf ausübe, von dem ich immer geträumt habe. Das ist doch was Gutes.

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