Zu den Vorfällen beim Spiel Frankfurt-Nürnberg

Fans mit Pfefferspray?

Auch die Nürnberger Ultras waren irritiert, schließlich hatten die Bundesligavereine, auch Eintracht Frankfurt, in den vergangenen Wochen zur Ruhe und Mäßigung gemahnt. Es wurde viel über verbale Abrüstung und Gesprächsbereitschaft diskutiert. »Der Dialog war doch gerade erst wieder aufgenommen worden,« sagt Mössner. Das Problem: Die Fans erfuhren dieses Mal erst zwei Tage vor dem Spiel von den Maßnahmen.
 
Statt mit dem Schiff reisten die Nürnberger mit einem Sonderzug nach Frankfurt. Im Gepäck hatten sie trotz der Verbote ihre Fahnen. »Es wäre sogar ein Leichtes gewesen, sie ins Stadion zu schmuggeln«, sagt Mössner. »Doch wir wollten offen mit der Situation umgehen.«

Hatte die Polizei ein Problem mit den Fahnen?
 
Ab 13 Uhr warteten die Ultras vor dem Stadion auf den Einlass. Und während hinter ihnen Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen rüber zum Lindner Hotel eilte, wagte sich ein Mitglied der Gruppe vor zum Eingang. Er trug eine Fahne mit sich, doch der Ordner schüttelte den Kopf und verwies auf das bestehende Verbot. Danach forderten die Capos der Gruppe ein Gespräch mit Eintracht-Sicherheitschef Oliver Lerch. Der Polizei-Einsatzleiter soll den Ultras zuvor mitgeteilt haben, dass er kein Problem darin sehe, wenn Fahnen mitgebracht werden. Man halte sich lediglich an Vorgaben des Veranstalters: Eintracht Frankfurt.

Lerch wich allerdings nicht von seiner Strategie ab. Das Verbot blieb bestehen. Dabei hätte die Aussage des Polizeieinsatzleiters darauf schließen lassen können, dass die Pyrogefahr gar nicht mehr besteht. Nur: Wurde sie, wie Mössner behauptet, überhaupt getätigt? »Ich kann mir nicht vorstellen, dass unser Einsatzleiter vor Ort irgendetwas in der Richtung gesagt hat«, sagt Polizeisprecher Manfred Vonhausen.
 
Als die Partie um 15.30 Uhr angepfiffen wurde, herrschte Geisterspielstimmung. Der Auswärtsblock war fast leer. Die Fans, die schon im Stadion waren, verließen den Block und solidarisierten sich mit den Ultras vor den Toren. Es kam, was kommen musste: Die Situation eskalierte.

Pfefferspray von den Fans?
 
Die Fans unterstützen die Mannschaft von außen, von wo aus sie etwa 20 Prozent des Spielfelds einsehen konnten. Bierbecher und Schlagstöcke flogen. Polizisten ritten auf Pferden an, Fans versuchten über die Zäune ins Stadion zu kommen, Beamte gingen rigoros dazwischen. Später war in verschiedenen Medien von Pfeffersprayeinsatz der Fans die Rede. »Das ist Quatsch«, sagt Mössner.

Einige Fans erlitten Kopfverletzungen, laut Polizeibericht trugen 19 Beamte und zwei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes Blessuren davon. »Es war ein gigantisches Polizeiaufgebot«, sagt Heino Hassler. Eintracht-Sicherheitschef Oliver Lerch sieht sich hingegen bestätigt, schließlich wurde »auch auf dem Weg zum Stadion Pyrotechnik gezündet«. Man könne sicherlich fragen, ob diese wegen des Materialverbots gezündet wurde. Aber das sei hypothetisch.
 
Dabei steht am Ende eigentlich nur eine Frage: Wieso war den Beteiligten nicht klar, dass 500 Leute vor dem Stadion ein größeres Problem darstellen würden als Zaunfahnen im Fanblock?