Zu Besuch im Tätowierstübchen von Dantes Onkel

Geschenk Gottes

Salvador de Bahia ist die Heimat von Dante. Auf einem Hügel nahe der Altstadt wohnt fast die gesamte Familie des Bayern-Kickers. Sein Onkel unterhält ein gutgehendes Tätowierstudio. Ein Ortsbesuch.

Tim Jürgens

Zunächst muss die Sache mit dem Namen geklärt werden. Nein, sagt Dimak, der junge Tätowier-Azubi am Tresen von »Doga Tattoo«, Dante spreche man in der Altstadt von Salvador de Bahia nicht wie wir Deutsche »Dantée« aus, auch nicht »Daantsch«, wie der Kicker selbst angibt, sondern »Daantschi«, was wohl auch ein bisschen verniedlichend gemeint ist. Kein Wunder, schließlich sehen sie hier in den Straßen zwischen Barris und Campo Grande am Hügel der malerischen Oberstadt Pelourinho in dem Bayern-Verteidiger nicht nur den Fußballstar, sondern auch das unbedarfte Kind, das unweit der Avenida Leovigildo Filgueiras, an der die gemütliche Tätowierstube liegt, vor ein paar Jahren noch mit seinen Schulkameraden kickte.

Selbst Dantes Mutter ist tätowiert

Die Avenida ist eine Sehnsuchtsstraße für alle, die davon träumen, Profi zu werden. Wer ihr den Hügel hinab folgt, wird fast von selbst an den Dique do Tororo geführt, den See an dessen Spitze heute das WM-Stadion, die Arena Fonte Nova, liegt.

Spät, aber nicht zu spät, hat Dante den Weg in die Stadien dieser Kategorie geschafft. Auch wenn er in den ersten beiden Spielen der Selecao nicht zum Einsatz kam, hat sich sein großer Traum erfüllt: Mit 29 Jahren ist er im Kader des brasilianischen Teams, das im eigenen Land Weltmeister werden will.

Dante ist längst ein wohlhabender Mann. Seinem Onkel Doga hat er vor ein paar Jahren finanzielle Starthilfe für sein Studio gegeben. Tätowierungen haben in der Dante-Familie eine große Bedeutung. Bis zu den Cousins und Cousinen zweiten Grades trägt jeder Körperbemalungen, sogar Dantes Mutter ist tätowiert. Die Kunstwerke stammen aus der Feder von Onkel Doga. Seinem Lieblingsneffen hat der Künstler die Worte »Cadeau de Dieu« und »Presente de Deus« in den Körper: »Geschenk Gottes«. Auf der rechten Schulter trägt Dante die Abwandlung eines Maori-Kriegstattoos, auf der linken eine Jesusfigur. Der Name seiner Frau steht auf der rechten Handgelenkinnenseite.