Zu Besuch in Ibrahimovics Heimatort

»Jetzt sind hier überall Waffen und Banden«

Doch einfach ist es nicht. Kurtovic deutet auf ein Loch im Zaun. Flüchtlinge schneiden sich regelmäßig den Weg frei. Manchmal sind es Hunderte, die auf dem Kunstrasenplatz eigene Turniere abhalten und dabei illegal wetten. Oft gibt es Streit. »Ich habe sie eingeladen, mitzutrainieren, aber wenn es regnet, kommen sie nicht«, sagt Kurtovic, »sie wollen nach ihren Regeln spielen.«

»Jetzt sind hier überall Waffen und Banden«

Die kulturelle Kluft ist größer, als sie damals für Kurtovics kroatische Eltern war. Er hat eine Jugendtrainerin mit Kopftuch eingestellt, trotzdem dürfen nur wenige Mädchen mitspielen. Ibrahimovic und Kurtovic wollten nach dem Balkan-Krieg, der Familien zerriss, nicht mehr viel von Religion wissen. Die heutige Generation sieht das anders.

Kurtovic läuft durch das Viertel, aus dem er weggezogen ist, nachdem seine erste Tochter geboren wurde. Er hat Psychologie studiert, war Sportlehrer, aber er versteht die Jugend nicht mehr. »Früher gab es auch Stress, aber mit Fäusten, jetzt sind hier überall Waffen und Banden«, sagt er, während Teenager auf Hoverboards an ihm vorbeirollen. »Woher haben die das Geld?«, fragt er skeptisch.

»Sie vertrauen überhaupt niemandem, nicht einmal ihren Mitspielern«

Ibrahimovic wohnt längst nicht mehr in Malmö, sein Haus am Strand hat er verkauft, mit Verlust. Vor einem Monat war er am »Zlatancourt«, ein Werbedreh für Volvo. Es sprach sich herum im Viertel, Hunderte kamen. Dann ein lauter Knall, der Dreh wurde abgebrochen, Ibrahimovic floh. Er habe sich nur gefreut, Zlatan zu sehen, entschuldigte sich der Werfer des Böllers später. Auch der 35-jährige Fußballer versteht die Jugend hier nicht mehr.

Dabei steht doch ein Zlatan-Zitat über einer Bahnunterführung: »Du kannst den Jungen aus Rosengard holen, aber Rosengard nicht aus dem Jungen.« Zlatans Vater wurde hier einst überfallen und niedergestochen. Kurtovic schaut auf das Zitat und denkt darüber nach, was Rosengard aus einem Jungen macht. »Du lernst hier, auf dich selbst aufzupassen«, sagt er schließlich. Das habe Ibrahimovic geprägt: Widerstand aushalten, aber clever sein. Er ließ sich von Trainern Taktik erklären, aber hörte nicht, wenn sie sagten, er solle abspielen und nicht alleine tricksen. So wurde aus ihm ein kämpfender Künstler. Die heutigen Jungs seien anders: »Sie vertrauen überhaupt niemandem, nicht einmal ihren Mitspielern« sagt Kurtovic. Dann läuft er weiter.