Zu Besuch in Ibrahimovics Heimatort

»Autos brennen in Rosengard«

Blond, blauäugig, braungebrannt, mit 56 Jahren fit wie seine Turnschuhe: Kurtovic sieht typisch schwedisch aus, aber kommt ursprünglich vom Balkan, wie viele hier, wie Ibrahimovic, den er damals trainierte. Zlatans Vater war Bosnier, die Mutter Kroatin. »Er war nicht der Talentierteste, aber er war stur. Wo andere mit dem kleinen Finger nicht hingegangen wären, hielt er den Kopf rein«, erinnert er sich an den zehnjährigen Zlatan. Dienstags trainierte der Junge bei Kurtovic und wenn er sauer auf den Trainer war, spielte er donnerstags bei einem anderen Team. Kontrolliert hat das keiner.

Wie auch? Es war schon damals chaotisch. Menschen aus 180 Ländern leben angeblich in Malmö, 30 000 Einwohner sollen es in Rosengard sein, gut 5000 davon illegal, über 60 Prozent Arbeitslose, aber wer weiß das schon so genau, wer erfasst das? Es gibt gut gemeinte Sozialstudien über das berüchtigste Ghetto des Landes, aber seit den Flüchtlingsströmen hat keiner mehr den Überblick. Malmö ist das Lampedusa Skandinaviens. Wer es über die Öresund-Brücke von Dänemark nach Schweden schafft, darf meist nicht weiter und strandet hier.

Ist Zlatan Ibrahimovic nur der schwedische Kevin-Prince Boateng?

Rosengard ist eine eigene Welt. In seiner Biografie »Ich bin Zlatan« schreibt Ibrahimovic, er sei mit 17 Jahren zum ersten Mal in Malmös Innenstadt gewesen. Rosengard? »Autos brennen da«, sagt ein Taxifahrer aus Vietnam, der skeptisch nachfragt. »Schweden wollen da nicht hin, ist nicht wie hier.« Er deutet auf die gepflegten Gehwege im Zentrum.

Aber Rosengard ist immer noch Schweden. Ein wenig Müll auf dem Bürgersteig, aber sonst? Dreistöckige Backsteinhäuser, viel Grün, Vögel zwitschern. Wenn das ein Ghetto sein soll, sind Berlin-Wedding oder Hamburg-Altona auch welche. Ist Zlatan Ibrahimovic mit seinem Bad-Boy-Getue etwa nur der schwedische Kevin-Prince Boateng?

»Wir reden nicht über Integration, wir machen es einfach«

Fahrräder habe er geklaut, behauptet der heutige Weltstar, dazu Ladendiebstahl, Kopfnüsse, Platzverweise, ein Alkoholikervater, Jugendamt. Schwedische Eltern hätten Unterschriften gesammelt, damit er das Jugendteam verlässt. »Ich war der harte Typ aus Rosengard. Ich war anders. Das wurde meine Identität«, schreibt er in »Ich bin Zlatan«.

Auf dem Foto, das Ivica Kurtovic aus einer Mappe holt, lächelt der kleine Zlatansbraten eigentlich recht friedlich. Auch heute laufen Kinder in Fußballmontur über das Gelände des FC Rosengard, wie der Verein mittlerweile heißt. Viele arabische und afrikanische Kids, Kurtovic tätschelt ihre Köpfe, er arbeitet hier als Entwicklungsdirektor, wie er sagt. 300 Jugendliche trainieren im Klub. »Wir reden nicht über Integration, wir machen es einfach«, sagt Kurtovic. Der Verein beantragt Spielgenehmigungen für Flüchtlinge, trat die Vereinshalle monatelang als Not-Unterkunft ab.