Zu Besuch in der wichtigsten Talentschmiede Brasiliens

»Die beste Akademie des Landes«

Auf den Jungen lastet dabei ein fast übermenschlicher Druck, sich beweisen zu müssen, die meisten kommen aus bitterarmen Familien, für die ihre Söhne die einzige Möglichkeit eines gesellschaftlichen Aufstiegs darstellen. Sehr großzügig gerechnet, wird sich nur etwa die Hälfte der Talente diesen Traum einmal einmal wirklich erfüllen können. Der Rest wird wieder nach Hause geschickt und später vielleicht von einem dubiosen Berater, von denen es in Brasilien zahllose gibt, nach Vietnam, China oder Indien verramscht – pro Transferperiode verlassen etwa 1000 brasilianische Spieler ihre Heimat Richtung fußballerische Bedeutungslosigkeit.

Eine Infrastruktrur, die selbst die Profis nicht bieten können

»Wir hier maximieren die Chancen dieser Jungs, einmal Profistatus zu erreichen«, sagt Canavesi deshalb auch nicht ohne Stolz. »Wir haben die beste Infrastruktur, solche Bedingungen können manche Klubs nicht mal ihren Profis bieten.« Deshalb verdient jeder der kleinen Fußball-Stars hier auch schon etwas Geld, die vielversprechendsten Spieler bekommen bis zu 2000 Euro im Monat, ein Vielfaches des durchschnittlichen brasilianischen Monatsgehalts.

Doch dieser Sonderstatus birgt auch Gefahren, erst kürzlich warf die Akademie einen Jungen raus, weil der plötzliche Ruhm ihm zu Kopf gestiegen war. Sein schlechtes Sozialverhalten war für die Schule nicht mehr tragbar. Dabei spielte er sogar für die Jugend-Nationalmannschaft, doch dann war schon wieder alles vorbei. »Er hat uns angefleht, wiederkommen zu dürfen, doch in solchen Fällen müssen wir hart bleiben«, so Canavesi über den Vorfall. »Er kickt jetzt bei einem anderen Team.«

»Uns interessiert nur Profit«

»Traffic« hingegen expandiert weiter, für eine sprichwörtlich goldene Zukunft plant man jetzt schon Fußballschulen in Ländern wie Kanada, Australien und Saudi-Arabien. Und vielleicht reicht es fuür einen der Jungs bald auch einmal für den ganz großen Traum: Der englische Meister Manchester United ist an der »Academia Traffic de Futebol« als Scouting-Partner beteiligt und hält die Optionen auf einen vorteilhaften Kauf eines jeden viel versprechenden Spielers.

»In 10 Jahren« so träumt Canavesi, »wird unsere Akademie die beste Fußballschule in Lateinamerika sein. Jeder Spieler wird dann mit einem besonderen Qualitätsprädikat von uns gehen.« Worum es ihm persönlich dabei geht, daraus macht er erst gar kein Geheimnis: »Wir sind Geschäftsleute«, sagt er und entblößt lächelnd seine tadellos weißen Zähne. »Uns interessiert nur der Profit!«

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Robin Hartmann ist freier Journalist und berichtet aktuell u.a. für das Projekt »Once Amigos« der Deutschen Welle vom Confederations Cup in Brasilien