Zu Besuch beim BVB-Gottesdienst

Mit Jesus auf der Südtribüne

Fußball und Religion scheinen gut zusammen zu passen und sich doch irgendwie auszuschließen. Die Gleichzeitigkeit von Machtlosigkeit und Zufall gepaart mit einer allgegenwärtigen Heiligenverehrung weckt in vielen Fans den Wunsch, sich an eine höhere Macht wenden zu können. So ist die Legende vom Fußballgott entstanden, der, laut Fußball-Mythologie, Bayern-Fan ist.

Die Zugehörigkeit zu einem Team, die Abneigung gegenüber Andersdenkenden, die Schadenfreude und teils auch Gewalt – all dies scheint jedoch so gar nicht in das Bild der christlichen Nächstenliebe zu passen. Das Matthäus-Evangelium, das auch beim BVB Auftaktgottesdienst gelesen wird, sagt schließlich »Liebet eure Feinde«. 

Mit Jesus auf der Südtribüne

Wer den Sport so sieht wie Gemeindereferent Haug oder Langzeit-Fan und Gottesdienstbesucher Thomas Meißner, für den lassen sich Fußball und Glaube durchaus verbinden. »Gegner sind nie Feinde«, sagt Meißner, der eine Dauerkarte für den »Tempel« hat, wie er den Signal-Iduna-Park bezeichnet.

»Tod und Hass dem S04, solche Sprüche sind gefährlich«, sagt auch Journalist Matthias Bongard, der in diesem Jahr die Predigt hält und sich darin vorstellt, mit Jesus auf der Südtribüne zu stehen. »Muss ich jetzt die Schalker lieben oder kann man vom Gebot der Nächstenliebe nicht auch mal eine Ausnahme machen?«, fragt er Jesus ironisch und kennt selbst die Antwort. Es geht nicht um Liebe zum Gegner, sondern um Respekt füreinander und die gemeinsame Liebe zum Sport. 

Megaphon statt Harfe 

Zum Ende des Gottesdienstes spricht die Gemeinde zusammen das BVB-Gebet: »Dreifaltiger Gott, dir vertraue ich die Geschicke meines Fußballvereins Borussia Dortmund an«, hört man die Gläubigen. Das Abschlusslied ist das Vereinslied »Wir halten fest und treu zusammen«. Doch auch das einzig klassische Kirchenlied an diesem Abend singt die Gemeinde inbrünstig mit.

Hier heißt es »Kommet zuhauf, Psalter und Harfe wacht auf, lasset den Lobgesang hören«. Eine Zeile, die sich auch für den Fußball eignet. Um das Lied stadiontauglich zu machen müssten es allerdings etwas umgedichtet und durch Megaphon und Trommeln ersetzt werden – Psalter und Harfe passen so schlecht durch das Stadiondrehkreuz.