Zu Besuch bei Schweinsteiger

Wie ein Kreisligastürmer

»Ist doch gar kein Problem«, meint Chicago-Fan Josh in der Halbzeitpause. Er beißt in einen Hot Dog Chicago Style, Bratwurst gibt es nicht. Seine Frau Caitlin ist auch nicht unzufrieden und sagt: »Heute ist es doch viel zu kalt und es ist das erste Spiel. Da ist es klar, dass Schweinsteiger noch nicht perfekt spielt.« Außerdem sind ja noch 45 Minuten zu spielen. »Schweinsteiger wird noch treffen«, sagt Jacob, der sogar einen speziellen Chicago-Fanschal in den Farben der deutschen Flagge durch die Luft wedelt.


Jacob hat seit letzter Saison einen neuen Lieblingsspieler – wie viele Chicago-Fans.

Bei Flutlicht läuft es für Fire in der zweiten Hälfte besser. Als Schweinsteiger am rechten Strafraumeck einen Verteidiger tunnelt und dann weich für Aleksandar Katai serviert, steht es nur noch 1:2. Es gelingt Chicago sogar, das Spiel zu drehen, sie führen mit 3:2. Unverständlicherweise machen sie hinten komplett auf und lassen Kansas zwei Mal kontern: 3:4.

Wie ein Kreisligastürmer

Schweinsteiger kniet sich hin und schlägt mit seiner Faust auf den Boden. Es ist offensichtlich, dass der Weltmeister Abwehrketten um einen Boateng, einen Hummels oder einen Smalling gewöhnt ist. Kurz blitzt seine Verzweiflung auf: Nach dem Anstoß in der 86. Minute fängt Schweinsteiger am Mittelpunkt an, mit gesenktem Kopf alleine auf das Tor von Kansas zu dribbeln und wirkt dabei wie ein klassischer Kreisligastürmer, der jegliches Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Mitspieler verloren hat und es in den letzten Minuten eines aussichtslosen Spiels lieber alleine gegen Elf versuchen will.

Beim dritten Verteidiger ist der Ball weg. In der letzten Minute schießt er noch einen Freistoß in die Mauer, dann ist Schluss. Auf der Stadionrunde nach Spielschluss kann Schweinsteiger schon wieder lächeln. »Du bist der beste Mann!«, ruft Jacob ihm zu. Schweinsteiger winkt.

Zwei Stunden später postet er auf Instagram: »Thanks so much to all for your support! Wasn’t the outcome we hoped for. We need to keep working hard the rest of the season.« Die amerikanischen Fans lieben ihre Nummer 31, die auch in der zweiten Saison in der Major League Soccer seinen Ehrgeiz noch nicht ganz verloren hat. Und es wird ja auch bald wärmer.