Zu Besuch bei Schweinsteiger

On Fire

Was macht eigentlich Bastian Schweinsteiger? Geht in seine zweite MLS-Saison. Unser Autor war beim Saisonauftakt dabei. Und hat Herrn Schweinsteiger leiden sehen.

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Auf dem Parkplatz vor dem Stadion riecht es nach Würstchen. Eine fünfköpfige Familie hat ihren Kugelgrill neben dem Pick-Up aufgebaut und der Vater legt eine neue Ladung Würstchen auf den Rost, die Mutter gießt Cola aus einer Zwei-Liter-Flasche in Plastikbecher. In einer roten Windjacke verkauft eine Frau Lose für die Vereinslotterie.

»Buy two, get two free«, steht auf dem Pappschild in ihrer Hand. Vereinzelt stellen sich Menschen in die Schlangen zur Ticketkontrolle. Die meisten von ihnen tragen ein rotes Fußballtrikot, ab und zu ist einer im Eishockeytrikot unterwegs. Vor dem Gate C versammeln sich 25 Männer mit drei großen Fahnen: Eine mit dem Logo von Chicago Fire, eine mit dem Logo der Stadt Chicago und eine mit der Flagge von Deutschland. »Chi-ca-go«, singen sie und steigen gemeinsam die Treppen in ihren Block hinauf. Die Ultras von Chicago kommen.

Im Fanblock wird die Deutschland-Flagge geschwenkt

Ihr Fanblock »The Harlem End« ist direkt hinter einem der Tore, zwei Vorsänger schunkeln sich auf dem roten Stahlpodest schon einmal in Stimmung. »Bitte unterlasst auch heute unangemessene Sprache und Beleidigungen. Zeigt, dass wir stolz sein können auf unsere Stadt Chicago«, sagt der Stadionsprecher durch.

Rauchen ist im ganzen Stadion nicht erlaubt. Polizei ist nirgends zu sehen, die wenigen Ordner am Eingang wünschen ein schönes Spiel. Langsam füllt sich der Block, Männergrüppchen mischen sich mit Paaren und Familien. Dann wird die Mannschaftsaufstellung angesagt. Das Publikum im Toyota Park klatscht brav für jeden Spieler. Erst bei der Nummer 31 jubeln die Fans laut und johlen. Sie johlen für Bastian Schweinsteiger. Aufgeregt wird im Fanblock die Deutschland-Flagge geschwenkt.


Fast wie in England: Die Ultras von Chicago in ihrem Block »The Harlem End«

Heute ist Saisoneröffnung, Sporting Kansas City ist zu Gast bei Chicago Fire. Nachdem eine Amerikanerin mit Seidenschal und Inbrunst im Mittelkreis die amerikanische Nationalhymne gesungen hat, geht die Saison für Chicago los. Es sind minus drei Grad, aber Schweinsteiger hat seine schwarze Leggins nach dem Aufwärmen ausgezogen und nimmt die Position auf der Acht ein.

Unerbittliche Vorsänger

Seit er Chicago in der letzten Saison das erste Mal nach fünf Jahren in die Playoffs geführt hat, sind die Hoffnungen auf Erfolg gewachsen. Dafür soll auch Trainer Veljko Paunović sorgen. Paunović? Der serbische Stürmer wurde 2005 von Ewald Lienen als absoluter Wunschspieler zu Hannover 96 geholt. Nach sechs Spielen ohne Tor war seine Bundesligazeit wieder vorbei. Jetzt setzt Paunović auf seinen Wunschspieler mit der Nummer 31.

Die Fans im »Harlem End« kommen langsam in Fahrt. Angeheizt von den beiden unerbittlichen Vorsängern und der dreiköpfigen Familie Miller, die über 90 Minuten gemeinsam das Schlagzeug mitten im Block bearbeitet, grölen sie ihre Fangesänge. »Let’s go, Chi-ca-go!« wechselt sich mit »We are red and we are white, we are fucking dynamite« und »I just can’t get enough« ab. Vorerst hilft es nichts: Kansas führt nach krassen Abwehrfehlern mit 0:2, Chicagos Torwart Sanchez klärt die Bälle in Richtung eigene Eckfahne und Schweinsteiger passt einen Freistoß aus 25 Metern direkt in den Fuß von Kansas‘ Verteidigung.