Zu Besuch bei Maradona

Die Idee hinter der Verpflichtung von Maradona

In einer besonders denkwürdigen Episode der Sendung interviewte Maradona sich selbst über seinen Drogenmissbrauch. Der eine Diego fragte den anderen, wann er das letzte Mal Drogen genommen habe. Die Antwort lautete: vor anderthalb Jahren. Aber er sei nach wie vor ein leidgeprüfter Mann, der meist zu Hause bleibe und die Zeit damit verbringe, im Fernsehen so viel Fußball wie möglich zu schauen. 2007 musste er sich erneut einer Entziehungskur unterziehen, diesmal wegen Alkoholmissbrauchs. Und 2015, nach seinem Umzug nach Dubai, musste er eine große Magenoperation über sich ergehen lassen. 

So ist es schön, ihn abends im Stadion von Fudschaira zu sehen. Er versammelt seine Spieler um sich und wendet sich auf Spanisch an sie. »Wir müssen weiter mit der gleichen Einstellung herangehen und einen gut Job machen«, sagt Maradona, dessen Worte von einem Dolmetscher, der ihm nicht von der Seite weicht, ins Arabische übersetzt werden. Dann teilt Luis Islas die Spieler in zwei Mannschaften auf. 

»Er nahm sich jeden Tag Zeit für jeden«

Sie fangen an, auf dem großen Platz auf beide Tore zu spielen. Zwei Spieler jeder Mannschaft bleiben im Strafraum, den sonst niemand betreten darf. Als das Spiel beginnt, wird Maradona munter. Er spaziert im Mittelkreis herum, einen Ball in der Hand und eine Pfeife um den Hals. »Gut so! Komm schon! Abgeben! Gut gemacht!« Diego gestikuliert und brüllt, sein Dolmetscher tut es ihm gleich; er gibt nicht nur Diegos Worte wieder, sondern kopiert auch dessen Körpersprache in fast komischer Manier. Das Niveau der Spieler ist nicht berauschend, aber inzwischen ist Maradona so lebhaft bei der Sache, dass seine tiefe Stimme die Gebetsrufe von den Minaretten übertönt. 

Von der Tribüne aus sieht ein junger Mann dem Treiben zu. Abdullah arbeitet seit einigen Jahren für Al-Fudschaira SC, zu seinen Aufgaben zählt auch die Medienarbeit. Er muss angesichts des neuen Trainers bei seinem Klub immer noch mit der Fassung ringen. »Es ist wie ein Traum. Ich kann nicht beschreiben, wie es war, plötzlich vor ihm zu stehen, mit ihm zu reden und von ihm umarmt zu werden. Er ist ein herausragender Mensch. Er ist nicht nur unser Trainer, er ist unser Freund«, sagt Abdullah. Auf seinem Computer hat er einen Ordner mit Fotos, die während der Saisonvorbereitung entstanden sind. »Als wir in den Niederlanden waren, kamen Menschen aus der ganzen Welt, und er nahm sich jeden Tag Zeit für jeden. Er posierte mit jedem für Fotos. Schauen Sie mal«, sagt Abdullah. Es sind wirklich viele Fotos, Diego mit Kindern, Diego mit Erwachsenen, und auf den meisten Fotos lächelt Diego.

Im Schatten von Dubai und Abu Dhabi

Abdullah hegt große Erwartungen hinsichtlich des Potentials, das Maradonas Präsenz für den Klub und die Stadt birgt. Fudschaira ist die Hauptstadt des gleichnamigen Emirats, eines von sieben, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengeschlossen sind. Der Ort ist seit Mitte der Neunziger enorm gewachsen und die Zahl der Einwohner auf 215 000 gestiegen. Dennoch steht die Stadt nach wie vor im Schatten von Dubai und Abu Dhabi, das Emirat zählt traditionell eher zu den rückständigen Teilen des Landes.

Dies versucht man jetzt zu ändern. Neue Einkaufspassagen wurden hochgezogen, wenn auch nicht so große und so viele wie jenseits der Berge in Dubai. Andererseits ist Fudschaira an strategisch wichtiger Stelle am Golf von Oman, so wächst der Öl-Terminal stetig und wird von ausländischen Unternehmen verstärkt als Standort genutzt. Pipelines befördern das Öl quer durchs Land von Abu Dhabi hierher, um die Seereise durch die zwischen den Emiraten und Iran gelegene Straße von Hormus zu vermeiden.

Die Idee hinter der Verpflichtung von Maradona

Die neue Moschee der Stadt ist die zweitgrößte im Land, aber Fudschaira hat noch einen langen Weg bis zu wahrem Ansehen und Renommee. Das ist die Idee, die hinter der Ernennung von Diego Maradona als Trainer des Klubs steckte, der 2015 aus der ersten Liga abgestiegen ist. Al-Fudschaira SC gehört der Herrscherfamilie des Emirats, und nun wollen Scheich Hamad ibn Muhammad asch-Scharqi und sein Sohn, der Kronprinz von Fudschaira, den Klub dafür nutzen, der Stadt und dem Emirat auf die Sprünge zu helfen.