Zu Besuch bei Imke Wübbenhorst, Cloppenburgs Trainerin

Es gäbe Gründe, aber: »Kein schlechtes Wort über den Verein«

Nach drei Monaten im Amt ist sie die Fragen leid. Sie würde lieber über Fußball reden, auch über die fünf sieglosen Spiele unter ihrer Regie. Das ist keine Erfolgsbilanz und doch schlüssig zu erklären mit der ausgedünnten Mannschaft. Ohne die schon ausgeplünderte A-Jugend könnte der BV Cloppenburg seinen Punktspiel-Verpflichtungen kaum noch nachkommen. »Aber über Fußball will ja keiner reden.« Nur über schlüpfrige Kabinenwitze.

Wahrscheinlich würde sie heute nicht mehr so unbefangen daherplaudern, »aber damals wollte ich einfach authentisch sein, keine Rolle spielen. War das so verkehrt?«

Imke Wübbenhorst stellt das Mineralwasser zur Seite, in einer Stunde beginnt das Training, und selbstverständlich will sie als Erste da sein. Und außerdem kommt ja der Klubvorstand, um zu verkünden, was sie den Spielern schon am Abend zuvor in der gemeinsamen Chat-Gruppe verkündet hat. Dass nach der Saison ein neuer Trainer kommt. Offiziell wegen ihrer Bewerbung zum Fußballlehrerlehrgang. Die Spieler sagen, Imke Wübbenhorst wäre schon ganz gern geblieben.

»Kein schlechtes Wort über den Verein«

Von der Schule hat sie sich für ein Jahr beurlauben lassen und hätte gut und gern zwischen der Ausbildung in Köln und dem Trainingsplatz daheim pendeln können. So wie Cristian Fiél und Daniel Bierofka, die beiden haben am Donnerstag an der Sporthochschule ihr Diplom in Empfang genommen. Und davor selbstverständlich als Cheftrainer amtiert, Fiél beim Zweitligisten Dynamo Dresden, Bierofka eine Klasse tiefer bei 1860 München.

Warum geht das nicht beim BV Cloppenburg? Ein Reporter der lokalen »Nordwest-Zeitung« deutet an, es gebe Probleme bei der Finanzierung der Spielergehälter, außerdem habe Imke Wübbenhorst immer wieder die schlechten Trainingsbedingungen kritisiert. Ist da etwas dran? Die Trainerin antwortet: »Ich habe doch schon gesagt, ich bin loyal. Kein schlechtes Wort über den Verein.«

Den Trainingsplatz teilt sie sich an diesem Abend mal wieder mit der Frauen-Mannschaft. Torschüsse, Sprints, Viererkette. Der Ball hoppelt über den Rasen, als habe sich eines der zahllosen freilaufenden Karnickel hier in ihm versteckt.

Nach eineinhalb Stunden ist Schluss. Mannschaftskapitän Kristian Westerveld erzählt kurz von der Ansprache des Vorstands und wie schade es sei, dass der Versuch mit der Trainerin so schnell wieder abgebrochen werde. »Wir hätten gern weiter mit Imke zusammengearbeitet, aber am Ende entscheidet der Vorstand. Ich wünsche ihr für ihre Karriere alles Gute, sie hat es verdient.« Imke Wübbenhorst mag auch dazu nichts sagen. Und macht das Licht aus.