Zu Besuch bei Imke Wübbenhorst, Cloppenburgs Trainerin

Das Ballbeispiel

»Aber über Fußball will ja keiner reden«, sagt sie - Imke Wübbenhorst ist die erste und einzige Frau, die in den obersten fünf Ligen ein Männerteam trainiert. Doch bald sind die Herren wieder unter sich.

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Die Letzte macht das Licht aus. »Ich bin ja auch die einzige, die einen Schlüssel hat«, sagt Imke Wübbenhorst. Also läuft sie hinüber zu dem unscheinbaren Kasten neben dem Fußballplatz, lässt das Schloss schnappen, drückt auf einen Knopf, und die Flutlichtstrahler stellen ihre Arbeit ein.

Dunkelheit legt sich über Cloppenburg.

Das passt gut zur Gemütslage der Fußballtrainerin Imke Wübbenhorst an diesem nasskalten Frühlingstag. Zur Abschiedsstimmung auf dem holprigen Rasen des BV Cloppenburg. Vor dem Training hat der Vorstand die Mannschaft darüber informiert, dass etwas zu Ende geht. Die gerade erst begonnene Geschichte der ersten und einzigen Frau, die in Deutschland im leistungsorientierten Fußball eine Männermannschaft trainiert. »Zur nächsten Saison kommt ein neuer«, hat der Vorstand gesagt. Frau Wübbenhorst wolle einen Lehrgang zum Fußballlehrer absolvieren und stünde dann nur eingeschränkt zur Verfügung, der Klub aber benötige Planungssicherheit. Fragen? Keine Fragen, auf Wiedersehen!

Es gibt Diskussionsbedarf

Schade eigentlich, sagt der Mannschaftskapitän Kristian Westerveld, ein Holländer, der zu Hause schon in der ersten Liga gespielt hat. »Imke hat das taktisch und methodisch wirklich sehr gut gemacht. Ihr Training war hervorragend. Für sie ist Fußball kein Hobby, sondern ein Beruf«, und wenn der Tabellenletzte Cloppenburg denn im Frühling aus der Oberliga Niedersachsen absteigen sollte, »dann war das bestimmt nicht ihre Schuld.«

Drei Monate lang war der holprige Rasenplatz im Stadion an der Friesoyther Straße das Epizentrum einer kickenden Emanzipationsbewegung. Reporter und Fernsehteams aus der ganzen Welt sind in das niedersächsische Städtchen zwischen Oldenburg und Osnabrück gekommen, um Imke Wübbenhorst bei der Arbeit zuzuschauen. Einer 30 Jahre jungen Frau mit wehendem blondem Haar, sie ruft knappe und deutliche Kommandos über den Platz, kontrolliert hier die Schussgenauigkeit, justiert dort die Viererkette. »Die Arbeit mit den Jungs macht riesigen Spaß«, sagt Imke Wübbenhorst, als sie vom Flutlichtkasten hinüber zum Kabinengebäude schreitet. Nichts wie unter die Dusche, danach noch Einzelgespräche mit den Spielern, es gibt Diskussionsbedarf.

Es war ein langer Tag. Er hat früh angefangen am Gymnasium in Bad Zwischenahn, eine Autostunde entfernt von Cloppenburg. Imke Wübbenhorst unterrichtet Biologie und Sport, aber diesmal stand ein »Girls and Boys Day« an, zum Aufbrechen von Rollenmustern, nach denen die Jungs sich früher wie selbstverständlich auf Karrieren als Piloten oder Ärzte vorbereiteten, während Mädchen Stewardessen und Krankenschwestern wurden.