Zu Besuch bei Frankfurts strippendem Fan

Gerhard Schröder hat keine Chance gegen ihn

Die Gebote schossen in die Höhe, da gleichzeitig ein Union-Fan aus Prag den Platz für Gerhard Schröder ersteigern wollte. Doch der Kanzler hatte keine Chance gegen Adi und die Frankfurter. Sie gewannen die Versteigerung für 2095,52 Euro, das Geld spendete Union später einem guten Zweck. Adelmann konnte es nicht glauben, als ihm im Frankfurter Fanshop gesagt wurde: »Adi, du derfs in Berlin uff de Bank!«

Einige Tage später verbot die DFL zwar seinen Auftritt auf der Ersatzbank, doch Union Berlin lud den Kultfan trotzdem in die Alte Försterei ein. Adelmann legte eben nicht auf der Bank, dafür auf dem Rasen und im VIP-Zelt seine Klamotten und Hemmungen gänzlich ab. Während die honorigen Herren im Zelt not amused reagiert haben sollen, sang der Fanblock ehrfurchtsvoll: »Olé, super Adelmann!«

Das Frankfurter Zine »Fan geht vor« entwarf Titelseiten mit dem (fast) nackten Adelmann und den Zeilen: »Der neue Eintracht-Präsident stellt sich vor. Er baut reines Stehplatzstadion mit Rundumtheke!«

In Moskau bei minus 25 Grad

Doch einer wie er hat keine Zeit für ein offizielles Amt, schließlich ist er häufiger auf Tour als AC/DC. Seit 1964 begleitet Adelmann die Frankfurter Eintracht bei jedem Spiel, so 630 Auswärtsfahrten müssten es mittlerweile sein, sagt er und zählt auf. Jede Stadt begleitet er mit einem Lächeln und Kopfschütteln: Plovdiv mit nur sechs Leuten! Baku! In Kopenhagen den Zug hingenommen, mit dem Bus zurück. Total chaotisch! Tel Aviv, mann, war das teuer, Berlin Pokalfinale gegen die Seppls, in Moskau bei minus 25 Grad! Mit leuchtenden Augen erzählt er von der Europa-League-Gegner von Borussia Dortmund im Herbst 2015: Saloniki, Krasnodar, Quäbälä. »Das wäre meine Gruppe gewesen«, ruft Adelmann. Er spricht von dem Traumziel Krasnodar wie andere von St. Tropez oder New York City.

Das Fansein ist für viele immer noch ein Refugium. Die Reisen zu Auswärtsspielen sind die letzten Abenteuer in der durchgetakteten 40-Stunden-Arbeitswochenwelt. Wer auswärts nach Baku oder Plovdiv reist, macht sich nicht viele Gedanken um die eigene Work-Life-Balance.

Urlaub nur für die Eintracht

Adelmann ist 58 Jahre alt, er arbeitet am Frankfurter Flughafen bei der Frachtabfertigung. Bei der Einstellung sagten sie ihm, dass er gleich morgen anfangen könne. Er sagte: »Nein, keine Chance. Morgen spielt die Eintracht, ich komme übermorgen.« An Weihnachten und Silvester arbeitet er, um Urlaub zu sparen für die richtigen Feiertage: Auswärtsspiele mit der Eintracht. Den Frauen, die er kennen lernte, sagte er gleich: »Die Eintracht war zuerst da.«

Er werde bis an sein Lebensende der SGE hinterher reisen, meint Adelmann. Doch in den vergangenen Jahren ließ er auffallend oft die Kleidung dabei am Körper. Der DFB drohte für einen weiteren Strip mit einem fünfjährigen Stadionverbot, das hat ihn dann doch beeindruckt. Sie können ihm Geldbußen aufbrummen, ihn in Litauen in den Knast stecken, aber die schlimmste Strafe für Manfred Adelmann wäre: ein Spiel seines Klubs zu verpassen.